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Kein Mampf: Erinnerungskultur als Kochbuch

Ein Grafikdesigner zerschneidet „Mein Kampf“ von Adolf Hitler und bastelt daraus ein Kochbuch.

Von Robert Glashüttner

Auch böse Dinge können in einen neuen, positiven Zusammenhang gebracht werden. Das hat sich der Grafikdesigner Andi Joska gedacht, als er vor zwei Jahren, passenderweise am 20. April, das Projekt „Kein Mampf“ gestartet hat. Seither zerschneidet er Hitlers „Mein Kampf“ in seine einzelnen Buchstaben, um diese zu einem Kochbuch mit dem Titel „Kein Mampf“ zusammenzusetzen.

Andi Joska setzt Buchstaben zusammen

Anita Joska

Der Anlass dazu war, dass 2015 das Urheberrecht zu dem Buch erloschen ist, was unter anderem dazu geführt hat, das stark kommentierte Fassungen von „Mein Kampf“ als Lehrbücher erschienen sind. Andi hat sich hingegen das Original aus einem Antiquariat besorgt, um es fortan zu zerschneiden und damit sein Kochbuchprojekt zu starten. Die Neukonnotierung in Form von Rezepten macht für ihn Sinn, denn „du nimmst etwas, schneidest es in kleine Stücke, wirfst es in einen Topf, rührst ein paar Mal um, und das, was dabei herauskommt, ist im Regelfall etwas Besseres als die Ingredienzen.“

Kleben von Buchstaben

Anita Joska

Circa 750.000 Buchstaben (von insgesamt 1,57 Millionen auf den doppelt bedruckten Seiten) warten insgesamt darauf, fein säuberlich zerschnitten und neu zusammengesetzt zu werden. Es handelt sich um ein Langzeitprojekt, das auf rund 20 Jahre ausgelegt ist.

Schneiden von Buchstaben

Anita Joska

Unkonventionelle Erinnerungskultur

Derzeit sind gerade mal rund zehn Prozent abgeschlossen. Doch einige der Rezepte, die bereits vorhanden sind, kann man ab sofort bis Ende Juni in einer kleinen Ausstellung im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) in Wien sehen.

Andi Joska betont, dass es ihm wichtig ist, dass das Projekt nicht als oberflächlich-witzelnd verstanden werden soll, sondern es darum geht, mit einem ungewöhnlichen Kunstprojekt den Opfern des zweiten Weltkriegs die bleibende, gebührende Aufmerksamkeit zu geben, die sie verdienen. Die Beschäftigung mit ihnen soll nie aufhören.

Video: Valentin Gstöttenmayr / Gebrüder Gstoe

Mitmachen oder Rezepte schicken

Es ist Andi Joskas erste Ausstellung. Auch ist er kein gelernter Schriftsetzer, sondern lernt am Stück. Derzeit macht er „Kein Mampf“ alleine, freut sich aber auf Rückmeldungen und würde auch ein gemeinsames Schneiden und Zusammensetzen schön finden. Wer Rezepte einreichen möchte, kann das durch eine kleine Spende über die dazugehörige Patreon-Seite erledigen.

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