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Sea-Watch

Das Sterben im Mittelmeer geht weiter

Im Mittelmeer ertrinken weiterhin fast täglich Menschen. Doch die von NGOs organisierte Rettung von Menschen in Seenot wird durch Behörden zunehmend behindert. Die Berliner Rettungsorganisation Sea-Watch erhebt schwere Vorwürfe.

Von Christoph „Burstup“ Weiss

Laut UNHCR ist der Juni 2018 mit 629 ertrunkenen Menschen der tödlichste seit fünf Jahren. Das Rekordhoch steht in direktem Zusammenhang mit der Verhinderung von Seenotrettung, sagt Ruben Neugebauer von Sea-Watch: „Wir können im Moment in Malta nicht mehr aus dem Hafen auslaufen. Wir werden aktiv daran gehindert, zu arbeiten. Das ist vergleichbar mit der Situation eines Rettungswagens, der zu einem Unfall fährt und blockiert wird. Es ist die Behinderung von Rettungskräften und eigentlich strafbar.“

Während die zivile Seenotrettung behindert werde, so Neugebauer, ziehe sich auch die staatliche Seenotrettung immer weiter zurück: „Das einzige, was übrigbleibt, ist die sogenannte libysche Küstenwache, die im Auftrag der Europäischen Union die Drecksarbeit erledigt. Sie ist überhaupt nicht für Rettungen ausgerüstet. Ich habe auf einem Schiff der libyschen Küstenwache noch nie auch nur eine einzige Rettungsweste gesehen für die Menschen, die zu retten sind. Es geht ganz offensichtlich nur darum, sie von Europa fernzuhalten. Dafür wird auch gerne der Preis in Kauf genommen, dass Hunderte ertrinken.“

Sea-Watch

Sea-Watch, Johannes Moths

Sea-Watch fordert, die Blockaden von Schiffen und Flugzeugen in Italien und Malta sofort aufzuheben. Besonders dubios findet Ruben Neugebauer, dass Registrierungen plötzlich nicht mehr gültig seien: „Die Registrierung wurde den Behörden immer vorgelegt. Sie wussten immer, wer da rein- und rausfährt. Viele Schiffe fahren weltweit ohne Probleme mit der gleichen Registrierung. Es geht nicht wirklich um Registrierungsfragen. Auch unser Suchflugzeug, die Moonbird, darf mittlerweile wegen fadenscheiniger Gründe nicht mehr fliegen. Es geht darum, die zivile Seenotrettung zu behindern, und das ist ein Skandal.“

Ein Skandal, der nur dann beendet werden kann, wenn ein Umdenken in der EU stattfindet. Sea-Watch sieht dabei auch Österreich in der Pflicht, das seit Anfang des Monats den Vorsitz im EU-Rat innehat.

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