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Pamela Rußmann

neujahr

Skispringerlegende Toni Innauer über den perfekten Absprung

Er war mit 15 im Nationalteam, mit 17 Olympiasieger und Weltrekordhalter und musste mit 22 seine steile Karriere beenden. Der ehemalige Skispringer, Trainer und dreifache Vater Toni Innauer erzählt im FM4 Doppelzimmer am 1. Jänner über die Philosophie des Scheiterns und die Lust am Fliegen.

Von Elisabeth Scharang

Toni Innauer und Elisabeth Scharang im FM4 Doppelzimmer am Neujahrstag ab 13 Uhr in Radio, App und Player

Eigentlich kann ich gar nicht glauben, dass Toni Innauer heuer erst 60 geworden ist. Nach meinem Gefühl hat es Toni Innauer nämlich schon immer gegeben. Zumindest in meiner Welt. Nicht als verblassende Erinnerung, sondern in der entsprechenden Gegenwart. Die stellt sich auch sofort nach den ersten zwei Minuten unserer persönlichen Begegnung im Wiener Funkhaus ein.

Toni Innauer ist derart da, also auf eine Art präsent, wie ich das selten erlebe. Vielleicht ist das so bei Menschen, die gelernt haben, alles auf den einen Moment zu konzentrieren, in seinem Fall, den Moment des Absprungs. Der Körper verlässt den festen Boden und fliegt. Dem Geist bleibt nichts anderes übrig als mitzumachen. Wenn er das nicht tut und in die Vergangenheit oder Zukunft abdriftet, dann wird es gefährlich.

Ich habe in den letzten Wochen viel über die Angst der Schispringer gelesen, die schwer gestürzt sind und für die nach diesem Trauma jeder Sprung mit der Angst vor dem Tod verbunden war. Thomas Morgenstern hat davon erzählt und auch Thomas Diethart, Gesamtsieger der Vierschanzentournee 2013/14. Wie irre eigentlich, dass Menschen ungeschützt mit zwei Brettln an den Füßen durch die Luft fliegen. Wie groß muss der Rausch sein, den man dabei erlebt, sonst würde man sich dieser Gefahr wohl nicht aussetzen. Wir TV-Zuschauer*innen haben uns schon derart an diesen Anblick gewöhnt, dass wahrscheinlich kaum jemand bei Schispringen an Extremsport denkt.

Während sich mein Wadel unter mir zerlegt hat, wusste ich: Das ist das Ende. Ich werde aufhören.

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Das Gespräch in voller Länge gibt es als FM4 Interview Podcast zum Anhören.

Im Dezember 1980 stürzt Toni Innauer bei einem Qualifikationsspringen so schwer, dass er mit nur 22 Jahren seine Karriere beenden muss. „Ich weiß noch genau, dass sich eine gewisse Erleichterung in mir breit gemacht hat“, erzählt Toni Innauer.

Wie orientiert sich ein junger Mensch neu, für den von einem Tag auf den anderen alles wegfällt, wofür er die Jahre davor gelebt hat? Wenn der Alltag, die Freunde und Kollegen, der Wettkampf, die sportlichen Ziele – wenn all das sich plötzlich in Luft auflöst?

„Erstens ist da deine Familie. Außerdem hatte ich sehr gute Freunde. Die haben zu mir gesagt: du bist noch so jung, geh’ an die Uni und studier’.“ Das hat er gemacht. Toni Innauer studierte Philosophie, Pädagogik und Sportwissenschaften. Mit dieser Grundlage ist er als ÖSV Trainer ein paar Jahre später in den Spitzensport zurückgekehrt und hat nachfolgende Generationen von Skispringern gefördert, geprägt und ihnen zum Sieg verholfen. Mit der Empathie von einem, der weiß, was Angst bedeutet und wie es sich anfühlt, am Boden zu liegen.

Warum ihm all diese Erfahrungen nicht dabei geholfen haben, seinen Sohn Mario zu unterstützen, der ebenfalls Skispringer geworden ist, erzählt Toni Innauer im FM4 Doppelzimmer am Neujahrstag ab 13 Uhr in Radio, App und Player. Außerdem gibt es die ungekürzte Version des Gesprächs als FM4 Interview Podcast.

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