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Goodie Mob 2020

Goodie Mob

FM4 HipHop-Lesekreis

Die Atlanta Rap-Legenden Goodie Mob melden sich zurück

Für einen Song am Comeback Album „Survival Kit“ haben sie den langjährigen Wegbegleiter Andre 3000 von Outkast mit einem seiner seltenen Verse dabei - der FM4 HipHop-Lesekreis analysiert.

Von Stefan „Trishes“ Trischler

Die Luft ist dick im Paramount Theater unterhalb der Basketball-Arena des Madison Square Garden. Das liegt aber nicht nur an der stickigen Hitze, die New York traditionell in den Sommermonaten umschließt. An diesem Donnerstag, den 3. August 1995, hat das damals tonangebende HipHop-Magazin The Source zu seiner zweiten Awards Show geladen - in Erinnerung werden aber eher die Konflikte bleiben, die dort zum ersten Mal geballt ans Tageslicht treten.

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Vor der versammelten New Yorker Rap-Elite kritisiert der kalifornische Labelboss Suge Knight von Death Row Records (Dr. Dre, Snoop Dogg, später auch 2Pac) das gockelhafte Gehabe seines New Yorker Gegenüber Puff Daddy, der sich gerne in den Videos seiner Künstler_innen selbstdarstellt. Dieser beschwichtigt zunächst, um dann während eines Auftritts doch den East Coast-Stolz zu beschwören. Snoop Dogg beschwert sich danach wortreich über die Ablehnung von New York gegenüber der florierenden HipHop-Szene im Westen - und der Konflikt der zwei Küsten ist voll entflammt: Innerhalb von weniger als zwei Jahren werden mit 2Pac und The Notorious B.I.G. zwei der größten Hoffnungsträger der Kultur bei Drive by-Shootings sterben. Angesichts dessen geht ein anderer wichtiger Auftritt bei diesen Source Awards ein wenig unter: Outkast aus Atlanta nehmen den Preis für die beste Newcomer-Band entgegen, auf die Buhrufe des engstirnigen New Yorker Publikums reagiert Rapper Andre 3000 mit dem Spruch „The South Got Something To Say“.

Wie prophetisch seine Aussage ist, kann man aus heutiger Perspektive klar sehen: Atlanta dominiert mittlerweile schon weit mehr als eine Dekade das globale Rap-Geschehen und damit auch einen guten Teil des Pop-Sounds. 1995 müssen die Musiker aus der Südstaaten-Metropole aber sichtlich noch um Anerkennung kämpfen. Die wichtigste Keimzelle bildet dabei die Dungeon Family um die erwähnten Outkast, das Produzenten-Trio Organized Noize und die Band Goodie Mob. Im namensgebenden verrauchten Keller entwerfen sie in tage- und nächtelangen Sessions den organischen und eklektischen Klang von Alben wie „Southernplayalisticadillacmuzik“ oder „Soul Food“.

Das Goodie Mob-Debütalbum, das drei Monate nach den anfangs erwähnten Source Awards erscheint, verbindet auf fantastische Weise afroamerikanische Spiritualität und irdische Genüsse: Nahrung für die Seele und das sehr sättigende Soul Food, dessen Wurzeln eben in den Südstaaten liegen. Mit seiner Rap- aber auch seiner Gospel-Stimme sticht Cee-Lo Green schon damals aus der vierköpfigen Gruppe heraus, mit Hits wie Crazy (als Teil der Gruppe Gnarls Barkley) und Fuck You wird er sich später solo in den Mainstream katapultieren - mit seinen Kommentaren zu einem Vergewaltigungs-Vorwurf hat sich der Musiker allerdings leider disqualifiziert.

Der Goodie Mob hat trotz alledem pünktlich zum 25. Jubiläum ihres Meisterwerks wieder zusammengefunden und ein Album namens Survival Kit aufgenommen. Mit dabei ist nicht nur das „alte“ Produktionsteam Organized Noize sondern auch hochkarätige Gäste wie Chuck D von Public Enemy sowie Big Boi und Andre 3000 von Outkast. Dass die beiden ehemaligen Bandkollegen auf zwei unterschiedlichen Songs zu Gast sind, sagt aber viel über deren Verhältnis. Das Album ist insgesamt leider durchwachsen und klanglich nicht immer auf der Höhe der Zeit, ein rarer neuer Vers von Andre 3000 (der dieser Tage scheinbar lieber orientalische Flöten spielt, als zu rappen) hat den HipHop-Lesekreis mit Natalie Brunner, Mahdi Rahimi und meiner Wenigkeit trotzdem dazu bewogen, den Song „No Cigar“ genauer zu besprechen:

podcast lesekreis goodie mob "no cigar"

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