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Mountainbiker beim Crankworx Festival

Simon Welebil

Was bleibt vom Crankworx Festival?

Mit viel Aufwand und Geld hat man eine der größten Mountainbike-Veranstaltungen der Welt nach Innsbruck geholt. Wie nachhaltig diese Investitionen sind, bleibt auch nach der umjubelten Premiere des Crankworx Festivals in Innsbruck ein Thema.

Von Simon Welebil

Es hat ein wenig gedauert, um die Distanz des Innsbrucker Publikums zu ihrem neuen internationalen Sportaushängeschild zu überwinden. Denn selbst wenn man ein internationales Erfolgsformat wie das Crankworx einkauft, muss man das der einheimischen Bevölkerung erst einmal schmackhaft machen.

Erschwert hat dieses Unterfangen dann ausgerechnet einer der Medienpartner der Veranstaltung, der Zeitungsplatzhirsch Tiroler Tageszeitung. Nach der Auftaktveranstaltung, dem Whip Off, bei dem sich zwei FahrerInnen verletzt haben, hat sich die Berichterstattung zwei Tage lang auf diese Unfälle beschränkt und landauf, landab hat man Leute von der Gefährlichkeit dieser Veranstaltung reden gehört.

Mountainbike Action

Simon Welebil

Dual Speed and Style

Es mag auch daran gelegen haben, dass das Festival unter der Woche begonnen hat, dass es in der Stadt selbst nicht übermäßig präsent war, oder dass man bei der Hitzewelle lieber am Badesee liegt als in einen staubigen Bikepark zu gehen, aber beim ersten Event im neu errichteten Bikepark, dem Dual Speed and Style, wo zwei Fahrer ein Rennen gegeneinander fahren und mit Tricks Zeitgutschriften ergattern können, war der Publikumsandrang noch eher bescheiden.

Der Funke springt über

Am Freitag beim Pumptrack, dessen Finale auch erst am Abend angesetzt war, ist dann zum ersten Mal genug Publikum gekommen, um eine Stimmung zu erzeugen, die der Größe der Veranstaltung entspricht. Und spätestens am Samstag ist dann der Funke komplett auf das Publikum übergesprungen.

Trotz der Vorverlegung des Highlights - des Slopestyle Contests - um einen Tag, wegen der schlechten Wetterprognosen, sind schon zu Mittag Tausende ZuseherInnen nach Mutters, ein Stück über Innsbruck, gekommen. Die Shuttlebusse aus Innsbruck waren voll, der ganze Ort zugeparkt. Viele Bikefans haben lange Anreisen auf sich genommen, um ihre Stars endlich live zu erleben, aber die Einheimischen haben wohl das Gros der BesucherInnen ausgemacht, viele davon Familien, die Kinder in der Krax oder im Buggy mit dabei.

„One for the history book“

Und das Raufkommen hat sich für sie alle ausgezahlt, denn die weltbesten Slopestyle-Athleten haben ein Trick-Feuerwerk abgefackelt. Der Tiroler Local Peter Kaiser hat die Schanzen für die Profis eingesprungen, dass die darauf dann aber Tricks zeigen, die man noch nie davor bei einem Contest sehen konnte, einen Cashroll Tailwhip von Nicholi Rogatkin etwa, macht selbst ihn sprachlos.

„Innsbruck will be one for the history books“, sagt Nicholi Rogatkin in seinem Siegerinterview und meint damit die Location, den Kurs, die Fans und das knappe Duell mit dem Kanadier Brett Rheeder, das er erst ganz am Schluss für sich entscheiden konnte. Das Spektakel nimmt auch diejenigen für den Sport ein, die zum ersten Mal mit Freestyle Mountainbiken in Kontakt gekommen sind.

Vom Reinschnuppern in die unterschiedlichsten Spielarten des Mountainbikens hatten viele nach dem Slopestyle dann noch nicht genug. Direkt nach dem Slopestyle-Finale setzte die Völkerwanderung der Fans nach Götzens ein, den wenige Kilometer entfernten Nachbarort, in dem das Downhill-Rennen stattfand. Und den besten Eindruck vom Downhill bekam man bei einem Spaziergang vom Start der Strecke hinunter bis an ihr Ziel, durch Wald- und Wiesenpassagen, immer wieder vorbei an kleinen Grüppchen, die die FahrerInnen mit viel Applaus runtergetrieben haben.

Mit Heimvorteil gegen die Profis

Im Gegensatz zum Slopestyle-Contest, der beim Crankworx ein reiner Einladungswettbewerb ist, für den sich ausschließlich die weltbesten Freestyle Mountainbiker qualifizieren können, konnten sich für den Downhill auch die Amateure anmelden. Viele Locals haben sich schon seit Monaten darauf gefreut, sich auf ihrer Heimstrecke mit Profis wie dem Downhill-Weltmeister Danny Hart zu messen, auch wenn das mit erhöhter Nervosität einhergeht, wie die 19-jährige Simone Wechselberger zugegeben hat.

Selbst Benni Purner, der als einer der wenigen öffentlich kritisiert hatte, dass Innsbruck den Crankworx geholt hat, hat es sich nicht nehmen lassen, beim Downhill-Rennen an den Start zu gehen und das Festival zu genießen: „Ich war nie Gegner von Crankworx“, sagt er, sondern hätte hauptsächlich den Zeitpunkt von Crankworx in Frage gestellt, ob die Bike-Infrastruktur der Stadt heuer schon reif sei für eine Veranstaltung dieser Größenordnung:

„Wir sind nach der Woche Festival auch noch da und müssen uns mit den Folgen das ganze Jahr über herumschlagen und das beschäftigt mich am allermeisten: Was bleibt von dem Festival beziehungsweise was bringt uns das als lokale Biker für die Zukunft?“

Reißerische Zeitungsartikel wie der oben erwähnte vom Kickoff Event des Crankworx’ stoßen Benni Purner auf, weil sie das Bild der Mountainbiker in der Öffentlichkeit zerstören und ihn als Sport für Verrückte zeichnen, obwohl bei jedem Schirennen mehr Stürze zu verzeichnen wären.

Es geht um nachhaltige Investitionen

Für Benni Purner gibt es also noch genug zu tun in den kommenden Jahren, und die lokalen Mountainbiker wollen das dreijährige Zeitfenster, in dem die Innsbrucker Veranstalter einen Vertrag mit dem Crankworx Festival haben, möglichst gut für nachhaltige Entwicklungen nutzen.

Diese Aussagen könnten auch aus dem Mund von Georg Spazier kommen, dem lokalen Organisationschef des Festivals. Einiges sei im Rahmen des Crankworx schon heuer entstanden, was nachhaltig genützt werden könnte, die Downhill-Strecke in Götzens, der Pumptrack und die Strecke für den Dual-Speed-and-Style-Bewerb im Mutters, die nur leicht entschärft würden. Einzig der Slopestyle-Kurs sei zu gefährlich für Hobby-BikerInnen. Der Ausbau der Bike-Infrastruktur steht aber auch bei ihm ganz oben auf der Prioritätenliste, auch um den Mountainbike-Tourismus in der Region stärker zu entwickeln.

Georg Spazier zog am Samstag jedenfalls ein zufriedenes Fazit nach dem ersten Crankworx-Stopp in Innsbruck, wenn es auch noch an ein paar Stellschrauben zu drehen und Defizite auszumerzen gäbe. Der Vermittlungsprozess zwischen Event und dem ihm angedachten Publikum sei jedenfalls gut angelaufen.

Tausende InnsbruckerInnen haben in der vergangenen Woche erstmals einen Eindruck bekommen, worum es bei den Gravity-Spielarten des Mountainbikens überhaupt geht und viele von ihnen sind auf den Geschmack gekommen. Ob sich Innsbruck seinem selbst verliehenen Titel als „Bike City“ würdig erweist, wird in den nächsten Jahren auch von ihnen abhängen.

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