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Screenshot aus "The Lion's Song"

Mi'pu'mi Games

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Inspiration und Anerkennung

Die narrative Spielserie „The Lion’s Song“ ist mit dem vierten und letzten Teil komplett. Die drei Figuren werden dabei aus neuen Perspektiven beleuchtet.

Von Robert Glashüttner

Computerspiele sind interaktiv. Das bedeutet, dass sie ihr Wesen nur dann entfalten, wenn wir mit ihnen spielen. Damit im Zusammenhang stehen eine Vielzahl von Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Vor allem in Action- und Geschicklichkeitsspielen müssen viele dieser Handlungsvarianten oft in Sekundenbruchteilen abgewogen werden.

Diese Notwendigkeit von Interaktion und Entscheidungen machen Games zu keinem einfachen Medium für Menschen, die meinen, im täglichen Leben schon genug entscheiden und erledigen zu müssen. Nur: Im Spiel kann man diese Entscheidungen und die damit verbundenen Konsequenzen wunderbar simulieren und durchtesten.

Screenshot aus "The Lion's Song"

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Natürlich meldet sich dabei immer auch unsere Moral zu Wort. Wollen wir beispielsweise wirklich auf einen virtuellen Zivilisten schießen, nur um zu sehen, was dann passiert? Manipulieren wir eine gutmütige Figur, um durch diese Machtausübung ein bestimmtes Ziel zu erreichen? Ist es egal, wenn wir „böse“ sind bzw.: Was macht es mit uns, wenn wir uns im Spiel immer wieder mal ganz konträr zu dem verhalten, was wir im wirklichen Leben tun würden?

Interessante Entscheidungen, circa 1910

Genau hier setzt „The Lion’s Song“ an, eine narrative Computerspielserie aus Österreich über Inspiration, Anerkennung und interessante Entscheidungen.

„The Lion’s Song“ ist eine vierteilige Adventure-Game-Serie und für Windows, Mac, Linux sowie für Ios und Android erschienen.

Wilma Dörfl, Franz Markert und Emma Recniczek leben im Wien des Fin de Siècle. Alle drei sind junge, aufstrebende Talente in ihrer jeweiligen Disziplin. Wilma ist Geigerin und Komponistin, Franz ein Maler, Emma eine Mathematikerin. Sie wissen am Anfang nichts voneinander, doch das soll sich im Lauf der Spielzeit ändern. In jeder Episode erleben wir Ausschnitte aus dem Werdegang von einer dieser drei Personen und pendeln dabei zwischen persönlichen Höhen und Tiefen, zwischen inspirativen Schaffensperioden und heftiger Verzweiflung. Wirkliche Rätsel gibt es in „The Lion’s Song“ nicht, doch wir können in bestimmten Situationen unterschiedlich auf Menschen reagieren und damit die jeweilige Beziehung beeinflussen.

Screenshot aus "The Lion's Song"

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Der nun vorliegende vierte Teil verknüpft die Geschehnisse der drei ProtagonistInnen aus den vorigen Teilen und erlaubt neue Perspektiven auf die Figuren. Visuell und spielerisch ist „The Lion’s Song“ über alle Episoden hinweg gleich geblieben: Wir sehen die Welt in einer wunderschönen, zweidimensionalen Pixelart in warmen Sepiatönen, die an alte Fotos erinnern. Wir interagieren mit der Welt, indem wir Gegenstände betrachten und innere Monologe sowie Gespräche führen. Das wirkt sich übrigens nicht nur auf uns und unsere Beziehung zur jeweils anderen Figur und damit den Verlauf der Erzählung aus, sondern kann auch die Entscheidungen der anderen Figuren beeinflussen. Dass bei „The Lion’s Song“ nicht immer nur eine Figur im Mittelpunkt steht, wie es bei anderen Adventures oft üblich ist, wird durch die letzte Episode namens „Closure“ nochmal eindrücklich und in unkonventioneller Weise bestätigt.

Screenshot aus "The Lion's Song"

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Hörtipp:

Am Freitag, 4. August, spreche ich im von FM4 geschätzten Games-Podcast „Insert Moin“ mit Host Manu Fritsch ausführlich über „The Lion’s Song“.

„The Lion’s Song“ ist vom Wiener Indie-Games-Talent Stefan „leafthief“ Srb gestartet und vom österreichischen Spielestudio Mi’pu’mi Games gebührend in Szene gesetzt worden. Ursprünglich (2014) ist das Spiel eine Einreichung bei einem Game Jam gewesen, bestand nur aus dem ersten Teil mit der Geigerin Wilma und war nur auf Englisch für Windows erhältlich. Jetzt gibt es „The Lion’s Song“ in mehreren Sprachen, unter anderem selbstverständlich in österreichischem Deutsch, und für diverse Systeme.

Vor allem, was die Gestaltung der Figuren und Dialoge betrifft, ist „The Lion’s Song“ fantastisch und auch bzw. speziell für Menschen geeignet, die einen Einstieg für die Beschäftigung mit Computerspielen suchen.

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