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FM4 Filmgeschichten mit John Waters

John Waters ist ein Tausendsassa und Evergreen der US-Gegenkultur. Warum man mittlerweile Insider sein sollte, statt Outsider, und warum er den österreichischen Humor schätzt, erzählt er in den FM4 Filmgeschichten.

Von Petra Erdmann

FM4 Filmgeschichten - Petra Erdmann im Gespräch mit John Waters

Produktion: Rudi Ortner
So, 24.9. 15.00 - 16.00

Queerer Underground-Filmemacher, Hollywood-Spötter, satirischer Autor und Stand-Up Comedian seiner eigenen Obsessionen - John Waters ist ein Tausendsassa und Evergreen der US-Gegenkultur. Er kommt am Freitag auf Wienbesuch. Für die FM4 Filmgeschichten sorgt John Waters schon heute für einen amüsanten Gesprächstrip.

Ikone schamloser Filmgeschichte

Die Popkultur-Ikone Johne Waters hat sich nie auf ihrem Ruhm ausgeruht, den sie seit den Siebziger Jahren von einer treuen Fangemeinde bekommt. William S. Burroughs hat den Regisseur aus Baltimore den „Papst des Trash“ genannt. Wenige können von sich behaupten, zeitlos UND eine lebende Legende zu sein. John Waters ist es - mit 71 Jahren auch für eine neue heranwachsende Generation von Verehrer_innen. Seine Underground-Movies aus den Siebzigern wie „Female Trouble“ oder „Pink Flamingos“ sind perverse Meilensteine schamloser Filmgeschichte.

Divine in "Pink Flamingos" von John Waters

Dreamland

Divine in „Pink Flamingos“

Divine wurde zum respektlosen, monströsen Superstar von John Waters. Ob als erste Hundescheiße-Fresserin auf der Leinwand, als renitente High-School-Drop-Out oder provokante Jahrmarkt-Kriminelle - Divine und die Schauspieltruppe „Dreamlanders“, wie sich die Freundes-Gang aus Baltimore rund um John Waters nannte, inszenierten gemeinsam radikal transgressives Kino. Waters schleuderte seinen subversiven Witz dem Mainstream entgegen, indem er Außenseiter und „the filthiest people alive“ ernst nahm und persiflierte oder ihr Image gegen den Strich bürstete.

Image-Rehabilitation mit John Waters

„Cry-Baby“ (1988) ist eine Elvis-Musical-Parodie, ein irrwitziger Clash aus Moralvorstellungen der Fünfziger Jahre. Der süße Bad-Boy Johnny Depp spielt einen harten Jugendbanden-Chef, der sich in das Good Girl, die Freundin des Rivalen, verliebt und so eine Kleinstadt in Aufregung versetzt.

Johnny Depp in 50er-Jahre-Outfit in "Cry-Baby"

Universal Pictures

Johnny Depp in „Cry-Baby“

„Johnny Depp, wollte sein Image als Teenie-Idol los werden und so kam er zu mir“, schildert John Waters die Zusammenarbeit mit dem damals 27-jährigen Superstar. „Viele wollten zu mir in die Image-Rehabilitation. Pornostar Tracey Lords („Cry-Baby“) oder das Entführungsopfer Patty Hearst, die Enkelin des US-Medienmoguls William Randolf Hearst. Ich habe Patty Hearst als Darstellerin in vier Filmen eine andere Karriere verschafft, als die der stigmatisierten Medienberühmtheit.“

John Waters hat Mörder im Gefängnis unterrichtet und ihnen seine geisteskranke Komödie „Pink Flamingos“ vorgeführt. “‘How fucked up you are...‘ hat ein Insasse meine Arbeit kommentiert“, lacht Waters, dessen Herz immer für Außenseiter geschlagen hat. Das hat sich geändert: „Obama, Trump alle wollen sie Außenseiter sein“. Außenseiter zu sein, das sei keine vielversprechende Marke mehr, rät John Waters jungen Menschen in seinem neuesten Buch („Make Trouble“). „Insider muss man heute sein, um das System von Innen heraus zu bekämpfen. Hacker, zum Beispiel, ist ein idealer Beruf dafür.“ Was Waters an seiner Künstler-Existenz schätzt? „Ich muss nicht mit Arschlöchern zusammen sein. Ich glaube, das ist das Beste, was ich mir in meinem Leben leisten kann.

Live Show

Um seine Filme zu vermarkten, hat der freundliche Dandy vor vierzig Jahren mit seinem Hauptdarsteller Divine durchgeknallte Live-Shows auf die Bühne gebracht. Divine ist 1988 verstorben. John Waters schleudert seine subversiv intelligenten Pointen und Schnurren im gut sitzenden Anzug noch immer seinem Publikum entgegen.

Unter dem Titel „This Filthy World“ wird John Waters mit seiner One-Man-Show am Samstag im Gartenbaukino in Wien gastieren und sich dabei als großer Fan österreichischer Kunst outen.

Mit seiner One-Man-Show „This Filthy World“ tritt John Waters am Samstag live im Gartenbaukino in Wien auf. Davor präsentiert der Regisseur beim \slash Filmfestival eigene und einige Lieblingsfilme.

Ulrich Seidl, Thomas Bernhard, Michael Haneke, die Künstlergruppe Gelitin und last but not least Sigmund Freund, dessen Lektüre er schon als Jugendlicher verschlungen hat. Von diesem seltsamen Humor der Österreicher fühle er sich sehr angezogen, erklärt Waters in den FM4 Filmgeschichten.

Ob er in Wien das Sigmund Freud Museum besuchen wird? John Waters: “Davor fürchte ich mich. Ich glaube, dann beginne ich vor lauter Aufregung in Zungen zu reden.“

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