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Justice League

Warner Bros.

Wieder mal die Welt retten

In „Justice League“ stellt Batman seine eigene Superheldencrew zusammen. Was auf dem Papier gut klingt, hapert an zu vielen Kompromissen.

Von Christoph Sepin

Im Rückblick wird eines immer klarer: Mit seiner Batman-Trilogie hat es Regisseur Christopher Nolan im letzten Jahrzehnt beeindruckend geschafft, simple Superheldenästhetik mit ernster, düsterer Thematik zu mischen. Vor allem, wenn man sich den filmischen Output aus dem DC-Universum um den Fledermaus-Crimefighter anschaut, der nach Nolan gekommen ist.

Gut vier Jahre ist es mittlerweile her, seit Warner Bros. in Zusammenarbeit mit DC Comics den Film „Man of Steel“ und damit ein Superman-Reboot veröffentlicht hat. Wie bei den Erfolgsproduktionen aus dem Hause Marvel, dem ewigen Rivalen, war auch hier der Fokus, von Anfang an eine neue, große Filmmarke aufzubauen. Auf „Man of Steel“ folgte „Batman v Superman“, dann „Suicide Squad“ und „Wonder Woman“. Mit dem Aufeinandertreffen der großen DC-Helden in „Justice League“ wird nun ein Konkurrent zu Marvels „Avengers“-Universum ins Spiel gebracht.

Justice League

Warner Bros.

I’m organizing a team

Batman, wieder gespielt von Ben Affleck, macht darin einen auf Blues Brothers und reist um die Welt, um seine eigene Crew von Superhelden zu casten. Wie es nämlich oft so ist in Comicbookmovies, gibt es eine außerirdische Bedrohung, die kurz davor ist, die Welt zu zerstören. Was es braucht, um das zu stoppen, ist ein Team von Helden mit besonderen Fähigkeiten: Batman, Wonder Woman, The Flash, Aquaman und Cyborg sind die Crew, die zusammentrifft, um das intergalaktische Böse aufzuhalten.

Was dabei rauskommt, ist eine klassische Superheldenteam-Entstehungsgeschichte. Wer in den letzten Jahren in einem Film aus dem Genre gesessen ist, sollte sich vorstellen können, wie sich das Ganze abspielt. Konflikte müssen gelöst werden, neue Auseinandersetzungen entstehen, Hürden müssen überwunden werden, bis die eigensinnigen Helden lernen, als Team zusammenzuarbeiten und die bösartigen Aliens zu bekämpfen.

Wie passen bunte Comicoutfits und gesellschaftliche Probleme zusammen?

Aber zurück zum anfangs erwähnten „Batman“ von Christopher Nolan: Wie schon der Regisseur damals versucht sich auch Filmemacher Zack Snyder daran, düstere, realistische Elemente mit Comicsimplizität zu mischen. Dass das kein leichtes Unterfangen ist, sollte klar sein. So stark ist die Dissonanz zwischen Menschen in bunten Comicoutfits und gesellschaftlichen Problemfeldern, dass es eine besonders schwierige Gratwanderung ist, das alles glaubhaft und vor allem auch unterhaltsam umzusetzen.

Nolan hat das damals tatsächlich geschafft, Snyder hat damit schon mehr zu kämpfen. Kompromisse eingehen, das ist das große Problemfeld, das in „Justice League“ deutlich wird. Kompromisse eingehen, um sich von den bunteren Marvel-Filmen zu distanzieren und ein eigenes Ding zu machen. Kompromisse eingehen, um ein kommerziell vermarktbares Entertainmentprodukt zusammenzuzimmern, das eine große Masse anspricht. Kompromisse eingehen, um die typische Ästhetik eines Zack Snyder umzusetzen und trotzdem eine neue Marke, die noch einige Jahre für volle Kinokassen sorgen soll, zu etablieren.

Justice League

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Die großen Momente in „Justice League“ sind die, in denen sich der Film nicht zu ernst nimmt, in denen die Superheldenklischees gefeiert werden und den Charakteren ein bisschen Raum zum Atmen gegeben wird. Für Charakterentwicklung, für Dialogsequenzen zwischen den Helden, für das gegenseitige Kennenlernen des neuen Teams. Zu oft werden aber genau diese wichtigen Punkte zu simpel erzählt. „Justice League“ ist ein Film, bei dem man die ganze Zeit das Gefühl hat, das alles schon einmal gesehen zu haben.

Irgendwie hat man das alles schon gesehen

Und das hat man auch: Superheldenfilme zählen schon lange zu den erfolgreichsten Kinoproduktionen, zu sehr möchte man scheinbar nicht von dieser Erfolgsformel abweichen. Das ewig gleiche Prinzip der Außenseiterhelden, die das intergalaktische Böse bekämpfen und damit die Welt retten müssen, ist nicht nur altbekannt, sondern mittlerweile auch ermüdend.

„Justice League“ ist aber ein Film, den Warner und DC machen mussten, will man das eigene Universum nicht nur etablieren, sondern auch viele weitere Filme fortführen. Was daraus in Zukunft entstehen könnte, wenn Charaktere wie die doch ganz gut ausgedachten Flash oder Aquaman ihre eigenen Momente im Spotlight bekommen, ist viel spannender als der aktuelle „Justice League“-Film. Optimistisch darf man trotz allem bleiben, denn wie schon mit „Wonder Woman“ bewiesen, ist da doch einiges drin in der DC-Comicwelt. „Justice League“ kann man sich anschauen, muss es aber nicht. Denn was darin passiert und wie die Geschichte abläuft, das weiß man schon, bevor man sich ins Kino setzt.

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