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Jede Faser wird glücklich

Der Song zum Sonntag: Björk - „Blissing Me“

Von Philipp L’heritier

Vielleicht können wir dann doch noch einmal die Person finden, die uns das Gemüt wärmt? Ganz unschuldig wollen wir strahlen, aus dem Inneren, ohne Vernunft, einfach aus den Eingeweiden heraus, vielleicht gar mit dem blöden Herzen, so etwas wie Glück fühlen, weil wir grade unerklärlich durcheinandergebracht sind.

Die Narben von vorgestern wollen wir uns als verheilt vorstellen bzw. gerade – jetzt in diesem Moment – haben wir sie vergessen. Die isländische Musikerin Björk sendet mit ihrer neuen Single „Blissing Me“ Signale der Freude.

Björks letztes, 2015 erschienenes Album „Vulnicura“ war in erster Linie als Break-Up-Album angelegt, als Verarbeitung, Verdauung und Verwurstung des Schmerzes, der kommt, wenn eine lange Beziehung dann irgendwann endgültig aufgehört hat zu existieren. Nach dem Verblassen, dem Hadern und Hangeln, wenn Gift, Traurigkeit und Hass die Überhand gewinnen. Die schönen Momente aber eben auch noch durchwirken.

„Vulnicura“ ist eine dunkle Platte gewesen und war auch so gedacht, das demnächst erscheinende Album von Björk soll jetzt, so sagt die Musikerin selbst in Interviews, wieder den Optimismus sehen: „Utopia“ wird die Platte heißen und wirft so schon im Titel, halb kryptisch, halb plakativ, den Blick in ein besseres Morgen.

„Blissing Me“ heißt das neue Lied, und da wird also nichts verschleiert. „Bliss“ – das bedeutet im Deutschen so viel wie „Glück“, „Seligkeit“ oder, am besten, „Glückseligkeit“. Hier als Verb zu Verwendung gebracht, spendet das Wort Licht. Björk wünscht es sich und sie bekommt es.

Produziert hat Björk das Stück gemeinsam mit ihrem erprobten Partner Arca – dem Mann, der sich zwischen schief verbogener Besteckschubladen-Elektronik, digitalem Noise und Sperrmüll-R’n’B, zwischen Kanye West, FKA Twigs und Kelela mittlerweile eine feine eigene Koje als einer der gern aufgesuchten Typen für avancierte Popmusik ausgebaut hat.

  • Alle Songs zum Sonntag auf FM4
  • Auch der geschätzte Wissenschafts- und Popjournalist Thomas Kramar macht sich in der Presse am Sonntag zum jeweils selben Song seine Gedanken.

Der Track ist minimal gestrickt, Harfensounds, dann müde verstolperter Beat, der als Update von Björks Arbeiten der mittleren und späten 90er-Jahre gelesen werden kann. Als Neugeburt, gar als TripHop-Pastiche. Im Zentrum steht, wie so oft: Björks Stimme.

Sie singt vom frischen Wind des seltsamen Verliebtseins. Vom Hin- und Her-Schicken von Textmessages, von der gemeinsamen Begeisterung über gemeinsam erfahrene Musik. Sie singt das Wort „MP3s“.

Sie, die stets als außerweltliche, alienhafte Großkünstlerin wahrgenommene Musikerin, die die Zukunft des Universums zu biegen im Stande zu sein scheint, weiß, dass die Erwähnung von derlei Technologie schon heute angestaubt anmuten mag. Im Angesicht der großen Energie der Liebe ist das nicht naiv.

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