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Die schlechteste Liebeserklärung an das beste Satiremagazin

Die Titanic hat ein neues Best-Of-Buch herausgebracht. „Die erste und endgültige Chronik des 21. Jahrhunderts“ ist im KiWi-Verlag erschienen. Warum es nicht das beste Buch der Welt ist und warum man es sich dennoch guten Gewissens zulegen sollte.

Von Alex Wagner

Cover der Chronik

KiWi

„Die erste und endgültige Chronik des 21. Jahrhunderts“ von den Herausgebern Torsten Gaitzsch und Tim Wolff ist im KiWi-Verlag erschienen.

Wie beginnt man eine Liebeserklärung? Vielleicht mit einem persönlichen Zugang. Ich bin sowas wie der Titanic-Beauftragte bei FM4. Es gibt wenig in meinem Leben, das mir Freude bereitet. Aber Konzerte von Kreisky, der alte Jan Böhmermann und eine neue Ausgabe des Titanic-Magazins zählen definitiv dazu.

Alle paar Jahre raffen sich die Redakteure des endgültigen Satiremagazins dazu auf, ein Best-Of-Buch herauszubringen. Meistens zur Weihnachtszeit, in der Hoffnung, die Texte und Cartoons, an denen man so lange gearbeitet hat, in die man soviel Brainpower gesteckt hat, nochmals an die Frau respektive an den Mann zu bringen. Bevor jetzt jemand „sell out“ schreit: Daran ist nichts verwerflich. Die Titanic ist bei weitem keine Bild oder Kronen Zeitung, die nur so im Geld schwimmt. Die Titanic ist ein Projekt von Idealisten, Menschen, denen es um das Wort geht, um die Kritik, um die Satire, um den Witz. Kaum jemand schafft es, die Mächtigen mit ihren eigenen Worten so auseinanderzunehmen und ihnen ans Bein zu pinkeln, wie die Titanic. Und ein paar Seiten weiter den größten Schwachsinn abzudrucken, den ihr euch vorstellen könnt.

Dieser Spagat zwischen feiner Kritik und Lust am leichten Quatsch, kleine Sticheleien bis an die Grenzen des guten Geschmacks zeichnen die Titanic wie kein zweites deutschsprachiges Satiremagazin aus. Mit ihren Projekten wie Die Partei schaffen es die Macher immer wieder zu hinterfragen, was in einer Demokratie erlaubt ist und wie man die Mächtigen überwachen kann. Und letztendlich sind die Menschen hinter der Titanic mitunter die letzten, die mit ihren Aktionen so etwas wie den linken Diskurs in die Jetztzeit bringen.

Vor kurzem ist „Die erste und endgültige Chronik des 21. Jahrhunderts“ von Torsten Gaitzsch und Tim Wolff von der Titanic im KiWi-Verlag erschienen. Es enthält Texte und Cartoons, die seit dem Jahr 2000 im Magazin abgedruckt oder auf der Website erschienen sind. Ein paar Texte scheinen eigens für das Buch geschrieben worden zu sein – aber ich gestehe, seitdem ich nicht mehr in die Schule gehe, lese ich die Titanic nicht mehr so gründlich wie vorher, vielleicht habe ich die Texte auch nur nicht gekannt. Mithilfe des Buches kann man die vergangenen 17 Jahre jedenfalls noch einmal Revue passieren lassen.

23.6.2015: Wer streikt gerade warum? Feuerwehrmänner wegen Burnout, Philosophen wegen andauernder Sinnkrise und Frontex, weil sie nicht mehr alle Latten am Zaun haben.

14.3.2016: In Sachsen-Anhalt ist die AfD so stark geworden, dass ihr nicht genügend Abgeordnete zur Verfügung stehen. Jetzt muss die Partei auf fünf Ochsen, drei NPD-Funktionäre, zwei Toaster und einen Traktor zurückgreifen.

Thematisch lässt die Titanic hierbei nichts aus. Vom Millenium-Bug bis zu Donald Trump, von Till Schweiger bis Ebola ist alles dabei. Und damit die Chronik nicht sofort nach dem Kauf veraltet ist, haben die Titanic-Redakteure in die Glaskugel geblickt und die Zukunft vorhergesehen:

Dezember 2017: Der Dritte Weltkrieg beginnt.

Das hier ist mit Sicherheit nicht die schönste Liebeserklärung, die je geschrieben wurde. Und „Die erste und endgültige Chronik des 21. Jahrhunderts“ ist mit Sicherheit nicht das beste Buch, das je erschienen ist. Vor allem ältere Einträge sind ohne Nach-Googlen nicht immer verständlich. Als Nebenbei-Lektüre zum Zwischendurch-Lachen und fürs Aufheitern des Gemüts ist das Buch aber schwer zu empfehlen. Und dass die Titanic ideell gesehen ein Projekt ist, das man unterstützen sollte, das muss ich euch nicht nochmal sagen.

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