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Bilderbuch

Patrick Wally

Sweetchild, nimm deinen Lauf

Bilderbuch spazieren auf der Siegesstraße, auch unser Archiv ist voll mit Highlights rund um die Band. Schon sehr bald geben die vier Musiker wieder ein FM4 Überraschungskonzert. Grund genug, auf die besten gemeinsamen Momente von Bilderbuch und FM4 zurückzublicken.

Von Lisa Schneider

„Die Bühne ist sehr groß, so ungefähr fühlen wir uns. Voller Vorfreude, auch wenn wir Schiss haben bis ganz oben.“ Vor ihrem ersten Auftritt am FM4 Frequency Festival 2010 spricht die Band vom schon ziemlich mulmigen Bauch. Zu diesem Zeitpunkt war es mit Bilderbuch noch ähnlich wie mit Bitcoins, hätte ich es doch früher gewusst.

Die Band von morgen

Einer, der es früh erkannt hat, war Philipp L’Heritier. Er hat Bilderbuch bei ihrem ersten Auftritt am FM4 Frequency Festival gesehen, und hält folgende Zeilen fest: „Überraschend auch, wie souverän die Band – noch einmal: um die 20 Jahre alt – die große Bühne bedient – das betont erratische Gestikulieren des Sängers, das Talking Head David Byrne zu zitieren scheint, ist da und dort dann aber doch einen Tick zu bemüht. „Frisch aus dem Studio“ kommen Bilderbuch gerade, wie sie sagen, es folgt der Nachfolger zum Debütalbum „Nelken und Schillinge“, das kann echt noch was werden. Eine Band, die ihre Songs beispielweise „Calypso“ nennt, und in der der Gitarrist zwischendurch Bongos beklopft, kann so verkehrt ja auch gar nicht sein.“

Der Blues wärmt das Blut

„Die Pest in Piemont“ ist nach „Nelken und Schillinge“ das zweite Album von Bilderbuch, diesmal nach Konzept erarbeitet, das Bilderbuch im März 2011 veröffentlichen. Noch kurz davor, im Jänner 2011, eröffnen Bilderbuch die Open Air Bühne am FM4 Geburtstagsfest, Wintermäntel, Eiszapfen an der Nase, das schöne, gemeinsame alljährliche Frieren. Maurice Ernst erinnert sich im Interview am Air&Style Innsbruck 2017 zurück an das FM4 Fest 2011, die Umstände waren da nämlich ähnlich winterlich: „Das war schon Rekordkälte gefühlt, wir hatten Minus 15 Grad. Wir haben uns dann in die Taschen so Wärme-Knickpolster hineingetan und haben uns bis zur letzten Sekunde vorm Auftritt eingemauselt in die Jacken. Aber wenn man dann mal oben ist, vergisst man das alles. Man geht halt dan runter, hat keinen Tropfen geschwitzt, weil’s so kalt war - aber man markt’s wenigstens nicht.“

Tropische Gefühle beim reinen Zusehen entwickelt damals jedenfalls Andreas Gstettner-Brugger, und schreibt über den Auftritt: "Sie haben es einfach drauf, schräge, paradoxe und zugleich einprägsame Parolen mit ihren treibenden Rhythmen zu verbinden. Der druckvolle Titelsong „Nelken & Schillinge“ massiert wie zu erwarten die Magengrube, während der Bassist in seinem schicken Wintermantel über die Bühne fegt. Und schon folgt auch gleich der erste neue Song, der mit dem Titel „Geist" angekündigt wird. Ein seltsam vertraktes Groovemonster, das durch ein ausgefuchstes Arrangement mit Breaks immer wieder überrascht.“

Diesen fabelhaften „Geist“ präsentieren Bilderbuch auch kurz danach im ORF Funkhaus im Studio 2, bei einer FM4 Soundpark Session. Ganz besonderes Schmankerl aber hier: David „Doktor“ Kleinl von Tanz, Baby wird für ein schummrig-schönes Duett von „Calypso“ auf die Bühne gebeten.

Bilderbuch und Amadeus: es ist nicht kompliziert

2010 waren Bilderbuch schon einmal für den FM4 Amadeus Award nominiert, 2014 ist es dann soweit.

Bilderbuch sind auch 2018 in fünf Kategorien für den Amadeus Award nominiert.

„Bilderbuch gibt es heute seit neun Jahren, das weiß nicht jeder“ erzählt Maurice Ernst nach ihrem Live-Auftritt während der Award-Verleihung im Wiener Volkstheater. An diesem Abend nehmen sie den FM4 Amadeus Award entgegen. „Alle, die uns neun Jahre begleiten, ohne die wäre gar nichts, wie es heute ist. Es sind immer wieder Neue dazugekommen, und andere gegangen, aber im Großen und Ganzen war jeder ein Puzzlestück in diesem schönen Bilderbuch.“

Die Band bedankt sich auch für die Möglichkeit, in diesem Ambiente ihre „Maschin“ aus den Boxen zu prügeln, gern hätte man ihnen rückblickend erzählt, dass sie dort zwei Jahre später ein volles, von anmutigen Theaterpausen in zwei Hälften geteiltes Set spielen werden. Ein Auszug meiner Notizen zum Abend: „Da sitzt man im schicken Volkstheater, erinnert sich kurz daran, welches Bernhard-Stück man hier zuletzt gesehen hat, und fragt sich, wie das funktionieren soll, mit Sitzplätzen, bei einem Bilderbuchkonzert! Die Frage löst sich nach wenigen Minuten von selbst, weil sitzen will hier ohnehin fast niemand.“ Im „sexy Gewand seiner Oma“ tanzt Maurice, wackelt mit dem Hintern und alle, wirklich alle, kreischen mit ihm auf Knopfdruck die Zeile, die sich schon längst sehr tief ins österreichische Popgedächtnis geprägt hat: Gib’ es zu, du bist hinter meinem Hintern her.

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Booty call

„Mein Hintern gehört Steyr“ soll schließlich auch der begeisterte Martin Pieper festhalten, er ist 2015 zum Bilderbuch-Überraschungskonzert nach Steyr ins Röda gefahren, da kommt die Band her, Heimvorteil, Heimvorteil, Heimvorteil. Bassist Peter Horazdovsky erzählt vor dem Konzert, dass er selbst seine ersten prägenden Konzerterfahrungen dort gemacht hat: „Meinen zweiten ernstzunehmenden Gig hab’ ich hier gesehen, Madsen, damals war ich Riesenfan. Das war eine Wahnsinnserfahrung, das erste Mal zu einem Konzert ausgehen dürfen.“

Für viele ist der Auftritt von Bilderbuch an diesem Abend vielleicht die erste, prägende Konzerterfahrung; die erste zwar nicht für Martin Pieper, deshalb aber nicht weniger umwerfend: „Es ist immer ein besonderer Moment, eine Band genau dann zu sehen, wenn sie auf der Höhe der Zeit und auf der vorläufigen Höhe ihre Könnens ist. Das Arena-Konzert in Wien vor ein paar Wochen war von einer leichten Verspannung gekennzeichnet - es war ihr erstes Konzert vor fast vollzählig erschienenem Medienvolk seit dem sogenannten „Durchbruch“. Das FM4 Überraschungskonzert im Oberösterreichischen Steyr als „Heimspiel“ zu bezeichnen ist fast eine Untertreibung. Die Band hat sich an der Schule in Kremsmünster formiert, grade mal eine halbe Autostunde vom Röda entfernt. Das Schlagzeug vom Überhit „Maschin“ wurde in Steyr aufgenommen und auch das eine oder andere Bilderbuchkonzert hat schon genau diesen Konzertsaal zerlegt.“

Bilderbuch Überraschungskonzert Röda Steyr

Franz Reiterer

Bilderbuch spielen im Röda in Steyr im Mai 2015 ihr erstes FM4 Überraschungskonzert. Das nächste folgt bald!

„Zerlegen“, auch so ein Wort, das Bilderbuch mit ihren Livekonzerten in den letzten Jahren geprägt haben. Die Schick Schock-Tour ist zu dem Zeitpunkt gerade vorbei, abgeschlossen mit einem lange, lange ausverkauften Auftritt in der Wiener Arena im April 2015. Susi Ondrusova hält fest: "Wie oft kann man eigentlich ein Bilderbuch-Konzert sehen, ist nach dem Konzert doch eigentlich alles gesagt worden? Das frage ich anschließend wahllos ins hinausströmende Publikum und ernte folgende Wortspenden: „Sicher noch fünf, sechs, sieben mal!“ Oder auch: „Nicht oft genug!“

Und keiner ahnt, was da noch kommt

Vom Bilderbuch-Live-Wahnsinn, der 2018 folgen wird, wagt zu diesem Zeitpunkt noch niemand zu träumen: die für an einem Termin im Mai 2017 gebuchte Arena ist jedenfalls mal ausverkauft. Als gezuckerten Anreger für das, was sie für den summer to come im Schilde führen, veröffentlichen Bilderbuch 2017 im Jänner ihr aktuelles Album „Magic Life“.

Ein Meilenstein in der Bandgeschichte, bei dem schnell klar wird: Das im Rahmen des größten Releasekonzert Österreichs nur einmal zu feiern, ist zu wenig. Und, naja, auch bei Bilderbuch sind alle guten Dinge drei. Sie landen den Supercoup, verkaufen im Mai 2017 tatsächlich dreimal hintereinander die Wiener Open Air Arena aus. Restlos. Zwischen tausende, euphorisch-glücklich-kreischende Fans haben sich auch Daniela Derntl und Christoph Sepin hineingequetscht, vom ersten, zweiten, bis zum letzten Abend der Triologie.

Bilderbuch Open Air Arena 2017

Patrick Wally

Im Mai 2017 haben Bilderbuch die Wiener Open Air Arena dreimal hintereinander ausverkauft. Das hat so ausgesehen.

„Bilderbuch-Festspiele“ nennt es Christoph Sepin in seinem Expeditions-Tagebuch, es ist wohl die aktuell einzige Band, die man sich ohne ein Fünkchen aufkommende Langeweile - auch mit demselben Set - dreimal hintereinander ansehen kann: „Die Showeinlagen von Maurice Ernst auf der Bühne wechselten sich ab, vom lasziven Anlegen der Maschin-Handschuhe an Tag 1 bis zum Reveal der besten Lederhose der Stadt am Donnerstag. Bestes Posen in großartigem Ambiente, Superlative forever und die Erkenntnis, dass sich das ordentlich ausgezahlt hat, gleich an allen drei Tagen in die Bilderbuch-Welt abzudriften.“ Leder, Sneaker, Gold, Glitzer, Bleichmittel, und wieder: Sag’ es laut, jaul es raus, gib es zu!

Es ist aber nicht nur ein Zelebrieren der Gegenwart, sondern gleichwertig der Stolz auf die Vergangenheit. Die Setlist ist nebst Neuvorstellungen gespickt mit Indie-Hits aus der Anfangszeit, „Joghurt auf der Bluse“ oder „Kopf ab“. Ein Statement für die Fans, und für die Band: „Wir spielen diese Songs, weil man sich nicht verstecken braucht. Die Nummern gehören zu unserem Fleisch und Blut. Und das Ding ist, wenn man dann schon Leute sieht, die in der erste Reihe stehen, und Plakate gebastelt haben, und die dann im richtigen Moment raufschmeißen - dann schaut man schon, wenn’s noch fünf Minuten Platz gibt, dass man die alten Hits für genau diese Fans spielt.“

Wie’s so ist, nach Placebo zu spielen

Der Lorbeeren nicht genug, es geht weiter, und noch weiter nach oben für Bilderbuch. 2010 haben sie ihr erstes Album in Liveversion mit aufs FM4 Frequency Festival gebracht, und das war schon gut. Sieben Jahre später gibt’s auch die große Bühne, aber zur dunklen, letzten, besten Stunde. Bilderbuch stellen 2017 einen Headliner-Slot auf einem der größten Festivals des Landes.

„Bilderbuch ist Symbol geworden, da müssen und wollen alle mit, wenn auch bisweilen nur im Mantel der Aura der Gruppe. Bilderbuch sind aber nicht leerer Selbstläufer und eben nicht bloßes Konzept“, schreibt Philipp L’Heritier über ihren Auftritt am Frequency Festival 2017, „Bilderbuch schummeln - und gar nicht mal so heimlich - eine spielerische Obszönität zurück in den Pop. Kein kleiner Verdienst angesichts der ganzen Bodenständigkeit und der klammen Gefühlshuberei, die in der deutschsprachigen Indierock- und Pop-Musik immer wieder gerne ausdrücklich demonstriert werden. Bei Bilderbuch vibriert es und fließt. Strom, Akku, Laden - die richtigen Bilder, die die Elektrizität und die geile Ansteckungsgefahr dieser Gruppe transportieren. Blitzschlag und Reinigung, diese Band weiß, wer sie ist.“

Nicht raunzen, lieber tun

„I Love Stress“ ist die Hymne, der Vorsatz, das eigentliche Ziel, erzählt Maurice Ernst: „Erfolg ist anders, der macht einen ein bisschen müde, der macht einen zufrieden. Aber das will man gar nicht, und da kommt man schnell drauf und dann sehnt man sich nach diesem treibenden Gefühl. Man muss sich wieder in Schuss bringen, aber auf eine positive Art, nicht auf die raunzige. Ich bin halt mal müde, wenn ich viel getan hab, aber ich bin nicht gestresst. Ich denk mir: Wofür leb ich denn? Ich hab ja was zu sagen, was zu tun.“

Bilderbuch wissen, wer sie sind, und doch pokern sie immer ein bisschen höher, um auszuloten, was noch geht. Es bleibt nichts zu sagen außer: sie können es eben wagen. Auch deshalb spielen sie 2019 auf der Gloriette, im königlichen Schönbrunner Schlosspark-Ambiente.

Wie Bilderbuch schon mit ihrem ersten FM4 Überraschungskonzert bewiesen haben, tauschen sie das Irreale, Irre, Große auch gern ab und zu wieder gegen das Kleine, Verschwitzte, Intime. Ähnlich darf man sich die Venue, die zu gegebenem Zeitpunkt verlautbart wird, des nächsten, geplanten Überraschungskonzert mit der Band vorstellen.

Wer will Bilderbuch live sehen? Bessere Frage: Wer nicht?

Irgendwo, irgendwann - aber sicher nicht irgendwie. Bilderbuch waren mit „Schick Schock“ an einem der Höhpunkte ihrer Kunst angelangt, aber da konnte ja noch niemand von „Magic Life“ und der dazugehörigen Liveumsetzung wissen. Ihre Maßstäbe setzt sich die Band jedenfalls selbst, bemessene Erdigkeit geht auch in ihren musikalischen Südseeträumen nicht verloren. „Das Thema und der Titel des Albums hat nichts mit Eskapismus zu tun“, erzählt Maurice Ernst, „es zeigt vielmehr, dass das, wo wir sind, wo wir alle uns befinden, eine Insel der Seligen ist.“

Die Reise Bilderbuch hat vor 13 Jahren begonnen, und sie geht weiter, nach vorn und nach oben. Ihre Fans nehmen sie mit.

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