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Ready Player One

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Popkultur im Overdrive

Filmreferenzen treffen auf Videospielcharaktere, Band-T-Shirts auf Comicbuch-Zitate: Steven Spielbergs „Ready Player One“ ist ein hemmungsloses Abfeiern von Popkultur.

Von Christoph Sepin

Die Grenze zwischen Blockbuster und Werbefilm war selten so verschwommen wie in „Ready Player One“: Schon in den ersten Minuten des Films tauchen zahlreiche Videospiele, Logos und Popkulturreferenzen auf wie ein Product Placement-Gewitter, und man weiß, dass man sich auf einen außergewöhnlichen Film eingelassen hat. For better or worse.

Ab 6. April 2018 in unseren Kinos

„Ready Player One: Der Film“ basiert auf „Ready Player One: Dem Buch“, geschrieben von dem amerikanischen Autor Ernest Cline. Darin geht es um eine zerstörte Welt in nicht allzu ferner Zukunft, in der das Leben in der echten Welt so untragbar deprimierend geworden ist, dass sich Menschen in virtuelle Realitäten zurückziehen. Welten, in denen sie alles sein und alles machen können.

Das ist zwar schon mal ein vielversprechender Backdrop für eine Geschichte, eine spannende Handlung braucht aber mehr. Deshalb hat die virtuelle Realität von „Ready Player One“ einen Twist: Entwickelt wurde sie von dem eigenbrötlerischen Visionär James Halliday, der kurz vor seinem Tod ein komplexes Rätsel in die virtuelle Welt eingebaut hat. Wer das Rätsel lüften kann, gewinnt nicht nur Geld, sondern wird auch Eigentümer der Virtual Reality.

Ready Player One

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Hier zeigt sich das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von „Ready Player One“: Der fiktive James Halliday war nämlich ein riesiger Fan von realer Popkultur, von Filmen und Videospielen und Büchern und Comics. Und um sein Rätsel zu lösen, müssen die Charaktere tief in Hallidays Faszination mit eintauchen.

Der Film wird dadurch zu einer riesigen, unreflektierten und hemmungslosen Zelebrierung von Popkultur: Im Sekundentakt übertrumpfen sich die Hauptfiguren von „Ready Player One“ mit Film- und Spielreferenzen, King Kong taucht auf, Godzilla, Gundam, Master Chief aus Halo, Minecraft und in einer Sequenz machen die Charaktere sogar einen Ausflug in die Welt von Stanley Kubricks „The Shining“.

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Weil das alles für eine junge Generation von KinogeherInnen (auf die der Film auch offensichtlich fokussiert ist) möglicherweise verwirrend sein könnte, müssen die Referenzen auch erklärt werden. Trotz der beachtlichen Länge des Films bleibt dann nicht mehr viel Zeit für die wichtigsten Elemente einer Geschichte: Charakterentwicklung, das Erklären einer Welt, in der man sich wiederfinden kann, oder das Erzählen einer Story, die Dringlichkeit vermittelt. Um deren Figuren man sich kümmert und deren Emotionen man teilt. Dafür bleibt im Gewitter der Referenzen wenig Platz.

Vielleicht ist „Ready Player One“ damit der ideale Film, um einen Einblick in die aktuelle Kultur des permanenten Aufhypens zu bekommen. Große Bilder und laute Töne statt detaillierter Emotionen und glaubhafter Charaktere. Überladene Blockbusterszenen voller Widersprüchlichkeiten statt Understatement und Fokussieren auf Handlung als wichtigstes dramaturgisches Element.

Ein Film, der vor allem die Frage aufwirft: Wohin können Hollywood-Blockbuster nach all dem überladenen Größenwahn noch gehen? Hoffentlich zurück in eine Welt, in der die Wichtigkeit von Story und Charakteren wieder mehr wertgeschätzt wird.

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