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3 Nächte lang Hyperreality - Club und Kultur

Seit letztem Jahr und der Neuübernahme der Wiener Festwochen durch Intendant Tomas Zierhofer-Kin liegt das Augenmerk des hauptstädtischen Kulturfestivals - nicht nur bei der Plakatierung - beim festlichen Aspekt des Ganzen. Das feierliche Highlight ist dabei das Hyperreality Festival.

Von Dalia Ahmed

Beim Hyperreality dient das gemeinsame Feiern als Ausgangspunkt und Austragungsort eines Diskurses über Gesellschaft, Kunst und Kultur. Am markantesten, zugänglichsten und „spaßigsten“ wird bei den Wiener Festwochen im Rahmen des Hyperreality - Festival for Club Culture gefeiert. Zum zweiten Mal wird das von „Bürgerkurator“ Marlene Engel orchestrierte 3-Nächte Event von Donnerstag bis Samstag (24.-26. Mai) stattfinden. Diesmal nicht in einem mittelalterlichen Schloss, sondern in der ehemaligen Sargerzeugung Atzgersdorf im 23. Wiener Gemeindebezirk.

Im warehousigen Ambiente werden mit einem hauptsächlich elektronischen, aber auch hip-hopigen Line Up Konzepte globaler Clubkulturen präsentiert.

Das in vielen Aspekten diverse Line Up bringt MCs, DJs, Producer*innen und Sänger*innen nach Wien, die weiblicher, non-binärer, queerer und „un-weißer“ sind, als man es in den meisten Clubs dieser Stadt je zu sehen bekommt.

Es ist die Avantgarde unterschiedlicher Formen der Tanzmusik und Protestmusik. Vom Battlerap Kultstar Taktlo$$, der das „Wie prophezeit“ Album seines quasi Alter-Egos Real Geizt für die große Bühne mystisch und post-dadaistisch inszeniert, über den „Avant-Pop“ Zauberer mit Hang zur BDSM-Ästhetik Arca, bis hin zur Alt-RnB Heldin Kelela. Alles was gerade gut, wichtig - und ja auch - cool ist, wurde da in drei Tage Programm gepackt.

In der Eröffnungsnacht des Hyperreality wird das Festival mit einem reinen Konzertprogramm hochgefahren: Die Schweizerin Aïsha Devi vermengt die Sounds ihrer nepalesisch-tibetischen Wurzeln mit hypnotischen Visuals, Pop-Mantras und dichten Basswolken, die ihren Sound durchziehen. Arca, einer der aktuell begehrtesten Liveacts, inszeniert sowohl Sinnlichkeit als auch tiefe Trauer auf der Bühne im „Zusammenbau“ im F23 und die Wienerin Rana Faharani aka Fauna stellt erstmals ihr zweites trancig-poppiges Album „Infernum“ vor, gemeinsam mit einer Gruppe von Live-Musiker*innen samt audiovisueller Show von AMEN.

Kelela

Dicko_Chan

Tag 2 wird vogueig, und technoid. Das Oberhaupt des Qween Beat Kollektivs MikeQ, Ash B., LSDXOXO, Divoli S’vere, quest?onmarc, Leggoh, Gregg Evisu XL und Byrell The Great bringen an den CDJs und Mics die Beats und Calls der New Yorker Ballroomszene. Selbstbestimmt und trendweisend regnen die ruckigen und zackigen Rhythmen aus den Boxen.

Cakes da Killa, die Gaddafi Gals und Kelela bieten im Gegensatz dazu geradlinigere RnB- und Hip Hop-Sounds, die die (POC) Human Condition thematisieren. Dazu gibt es noch Techno von der legendären Wiener DJ und Produzentin Electric Indigo, der Underground Superstar DJ der Stunde Nina Kraviz und der Femdex Co-Gründerin Therese Terror.

So wie der Jersey Club und Vogue Sound der amerikanischen Ost-Küste marganalisierten Menschen einen Raum zum Ausdruck bietet, finden viele junge Eurpäer*innen in der Hardcore- und Gabber-Szene ein Zuhause. Die Beats aus diesen post-rave Subkulturen bringen Gabber Eleganza und DJ Warzone auf einem der zwei Floors im Materialmagazin.

Jazziger und dronender gestalten die Spanierin JASSS und Machine Woman aus St. Petersburg den Hyperreality Freitag.

Uneinordenbar präsentiert dann auch noch am zweiten Festival Tag das südafrikanische Gqom Artist-Duo FAKA die Rache der Bottoms und eine koloniale afrikanische Normen subversierende Kunst- und Musikperformance.

Wer in der dritten und letzten Hyperreality Nacht noch Energie hat, kann sich auf vehemente Bassmusik und experimentellen Hip Hop freuen. Real Geizt inszeniert ganz groß sein „Wie prophezeit“ Album. Quay Dash, Ebow, God Colony und Flohio präsentieren gerappte, poetische Toughness und den Spirit der Resistancen aus New York, Wien/München und London. Der in Wien lebende DJ, Produzent und Fixpunkt der lokalen Dancehall Szene 3GGA und der kolumbianische, in Manchester lebende Mixpak Records DJ und Produzent Florentino und Tygapaw zwingen mit karibischen Beats zum Tanzen, aber auch zum Stereotype umdenken, da Tygapaw beispielsweise genau das Klischee eines hedonistischen und feierwütigen Jamaikas dekonstruiert.

Westafrikanische Rhytmen bringen Mina und DJ Lycox am USB Stick mit. Nord-ost-afrikanisch, arabisch und/oder persisch beeinflusste Clubmusik kommt von DJ Haram, DJ Hauswein und STILL. Die zeitgenössischsten Underground Club Sounds, die mit Pop- und RnB-Strukturen experimentieren und extrem bass-heavy klingen, kommen von: Sega Bodega & Shygirl,Kablam und FARCE.

Am Samstag, 19.5. 21 Uhr gibt es bei Dalia’s Late Night Lemonade ein Special mit den Sounds des Hyperreality LineUps.

Und dann ist da auch noch DJ Aussalut, das Ghetto-Tech Urgestein, dem wir das bouncy „Ass N Titties“ verdanken. Ein Track, der jedes Fest zum Überkochen bringt.

Es werden also drei arge Nächte gefüllt mit Feierei, Protest und vorgelebter Diversität.

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