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Drakes Befindlichkeitsrap

Der „softe“ Rapper Drake hat ein Doppelalbum draußen. Auf „Scorpion“ sudert er uns in guter, alter Drake-Manier ordentlich was vor.

Von Dalia Ahmed

Neben Kanye West ist Drake der medial wohl am meisten besprochene Rapper im Game. Wenn Rihanna im Vogue Interview erzählt, dass sie ihn nicht leiden kann, wird das zur Schlagzeile auf allen Gossipseiten. Und wenn Drake sich mit Pusha T in Songform streitet, dann hält Hip Hop Twitter seinen Atem an und schenkt all seine Aufmerksamkeit dem Beef.

Kaum ein Rapper, der seine Außenwirkung besser versteht und damit spielt als Aubrey Drake Graham. Drake tanzt schon mal wie ein peinlicher Onkel bei einer Hochzeit goofy durch’s „Hotline Bling“ Video oder geht mit Nicki Minaj Süßigkeiten einkaufen, weil er weiß, dass das dauraus estandene Handyvideo viral geht. Ganz nach dem Motto „Any Press is good Press“ scheint Drake den Prozess der Aufmerksamkeitsgenerierung gestreamlined zu haben.

Auch musikalisch funktioniert bei ihm vieles formularisch und berechnend. Drakes „Softness“, Melancholie und Einfühlsamkeit sind, das wofür er berühmt geworden ist. Musik die man hört und dann schickt man verheult mitten in der Nacht dem Ex peinliche Whatsapp Messages.

Drakes Themen sind das Verlassenwerden, verlassen worden sein und die Überlegung, wen zu verlassen, weil sie nicht einen selbst, sondern nur das Geld und den Ruhm lieben. Ab und zu gibt es noch Tracks, in denen er Frauen mit emanzipatorisch fragwürdigen Parolen à la „You’re a good girl and you know it“ auf-hyped. Und die ein oder andere Zeile über seine „Gunner“ und wie es Leute „auf der Straße“ auf sein Leben abgesehen haben. Weil so ganz ohne Streetcred kommt Drakes Image dann doch nicht aus.

Auf „Scorpion“ passiert da textlich nicht viel Neues. Drake ist andauernd tief in seinen Feelings drin und traurig und verzweifelt, weil er keinem und keiner trauen kann. Das Fame Monster hat ihn voll und ganz verschlungen. Gleichzeitig erzählt er uns aber auch von seinen vielen Erfolgen und seiner Überzeugung, dass Gott höchstselbst ihn auserwählt hat.

Ein Album, dass es eher im Winter oder Herbst gebraucht hätte. Jetzt so im Sommer wo wir alle in der Sonne chillen wollen passt’s gar nicht und wenn man die Nachrichten schaut, denkt man sich auch, dass es eigentlich „größere Probleme“ gibt, als die Frage, wie hoch denn die Unterhaltszahlungen an die Mutter seines Sohns sein sollen.

„Scorpion“ ist 0815-Drake in Reinform. Sad, melancholisch und paranoid. Die Texte klingen schon fast wie aus einer Drake-Parodie, die man bei Saturday Night Live sehen würde.

 Und die Beats sind zwar mit netten Details hier und da produziert, aber nicht so spannend wie die Experimente an die sich Drake mit seiner „More Life“ Playlist gewagt hat.
Und das obwohl das Album sich über zwei Discs erstreckt und Disc 1 tougher, hip hopiger aufgemacht ist und auf Disc 2 mehr trist gesing-sangt und mit Synths und Autotune herumgespielt wird.

Es gibt Mariah Carey, Lauryn Hill, Boys 2 Men und Nicki Minaj Samples, die eine Vertrautheit und kurze nostalgische Freude hervorrufen. Popkulturreferenzen wie Teile einer „Atlanta“-Folge, die eingespielt werden. Mehrere vom New Orleanser Bounce inspirierte Tracks und ein Michael Jackson Feature aus unveröffentlichten Tonspuren. Doch meistens sind die Beats, Spielereien und Gimmicks auf „Scorpion“ nichts, was wir nicht schon mal auf einem Drake Album gehört haben.

„Scorpion“ ist der drakeigste Drake beim Drakesein in Doppelalbum länge. Ein Album für hardcore Fans und selbst die werden nach Track fünf gelangweilt dasitzen und lieber am Handy nach Drake-Gossipgeschichten und Drake Sadboy Memes im Netz suchen.

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