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Eine Frau mit einem Schild demonstriert und fordert Geld für den Schutz von Frauen gegen Gewalt

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auf laut

Was hat sich heuer beim Gewaltschutz getan?

Zwei Gewaltschutzgipfel, ein Gewaltschutzpaket und die Erhöhung des Frauenbudgets stehen auf der einen Seite. Noch immer viel zu wenig Geld und 30 Femizide auf der anderen.

Von Paul Pant

Gewalt gegen Frauen und Kinder ist ein Problem in Österreich. Ein Problem, bei dem lange Zeit – salopp gesagt - nicht so genau hingesehen wurde. Zu Beginn der Corona-Krise war es noch schwierig, vergleichbare Daten zu Gewalt gegen Frauen und Kinder zu bekommen. Die Vermutung, dass durch Lockdown und Ausnahmesituation häusliche Gewalt ansteige, ist zwar von Frauenhäusern und Hilfsorganisationen schnell bestätigt worden, Studien haben das aber erst später mit Zahlen und Fakten untermauern können.

Dass Österreich aber schon vor der Corona-Pandemie ein ernsthaftes Problem mit Gewalt gegen Frauen und Kindern hatte, zeigt nun eine Studie, die Ende November beim 2. Gewaltschutzgipfel von Innenministerium und Frauenministerium veröffentlicht wurde. Darin ist erstmals die Spitze des Eisberges bei Gewalt gegen Frauen umfassend über einen längeren Zeitraum analysiert worden. Im vergangenen Jahrzehnt von 2010 bis 2020 gab es 319 Frauenmorde in Österreich. Wenn man die Mordversuche miteinberechnet, sind es in Summe sogar 777 Fälle gewesen. Bei diesen Zahlen wurden noch nicht die Morde dieses Jahres Jahr erfasst, es sind weitere 30 ermordete Frauen. Die Zahlen der Studie zeigen außerdem, dass die Zahl der Femizide steigt. 2014 sind es 19 Morde gewesen, 2020 31. Der traurige Höhepunkt war 2019 mit 39 Opfern.

„Gewaltschutzpaket“ als Gegenmaßnahme

Die türkis-grüne Bundesregierung hat das Problem erkannt und im Regierungsprogramm auch Ziele dazu formuliert: Frauen vor sexueller und körperlicher Gewalt zu schützen wird als großes Anliegen genannt. In diesem Jahr wurden deswegen zwei Gewaltschutzgipfel abgehalten und Maßnahmen gesetzt, eine davon groß angekündigt, das sogenannte Gewaltschutzpaket. Vier Ressorts - Frauen- Innen-, Justiz- und Sozialministerium - haben zusammen ein Maßnahmen-Paket geschnürt und in Summe 24,6 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Der Fokus der Regierung lag dabei in der Gewaltprävention. Eine der Maßnahmen: Wird gegen jemanden ein Betretungs- und Annäherungsverbot ausgesprochen, muss er seit September eine sechsstündige Gewaltpräventionsberatung absolvieren. Neun Millionen hat das Innenministerium dafür zusätzlich zur Verfügung. Rund fünf Millionen gab es ab Oktober zusätzlich für Gewaltschutzzentren, sowie drei Millionen mehr für die Familienberatung.

Österreichischer Frauenring

Der Österreichische Frauenring ist eine parteiunabhängige Dachorganisation für mehr als 40 österreichische Frauenvereine und wurde 1969 gegründet. Die aktuelle Vorsitzende ist Klaudia Frieben. Zu den bekanntesten ehemaligen Vorsitzenden gehört u.a. die feministische Aktivistin und Politikerin Johanna Dohnal.

Eine „Mogelpackung“ und „viel zu wenig“?

Alles in allem war dieses Paket aber ein Tropfen auf den heißen Stein, sagen Österreichische Frauen-Organisationen unisono. Der Frauenring (ÖFR) und die Allianz Gewaltfrei leben sehen hinter dem Gewaltschutz-Paket der Regierung zumindest teils eine „Mogelpackung“. Viele der Vorhaben hätten nur indirekt mit Gewaltschutz zu tun, sagt Rosa Logar von der Allianz Gewaltfrei leben und Geschäftsführerin der Interventionsstelle Wien. Maßnahmen wie die Erhöhung der Stundensätze für die Prozessbegleitung und die Ausweitung der Familiengerichtshilfe seien zwar seit Jahren überfällig, „aber Gewaltschutz ist das nicht“, so Logar.

Insgesamt sei das Gewaltschutzpaket eine weitere Enttäuschung gewesen, sagt Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings. Die Mittel für Gleichstellung, feministische Arbeit und Gewaltschutz seien „viel zu gering“, sie müssten verzehnfacht werden, sagt Frieben. Zusätzliches Geld werde dabei in allen Bereichen benötigt: in der Prävention, in der Strafverfolgung und am Ende der Gewalt-Kette in der Betreuung der Opfer. Österreichs Frauenorganisationen fordern seit langem 228 Millionen Euro im Jahr für eine Ausweitung und längerfristige Absicherung ihrer Arbeit und zusätzlich rund 3.000 neue Arbeitsstellen im Opferschutz.

FM4 Auf Laut über ein neues Frauenhaus in Tirol

Im Rahmen von Licht ins Dunkel unterstützt FM4 heuer die Entstehung eines Frauenhauses im Tiroler Oberland. Claus Pirschner spricht mit Geschäftsführerin Gabi Plattner und Mitarbeiterin Hannah Ringhofer über die Notwendigkeit eines weiteren Frauenhaus, Gewalt an Frauen, Auswege und Prävention. Anrufen und Fragen stellen kannst du ab 21 Uhr unter 0800-226996.

Du kannst aber auch selber mithelfen, zum Beispiel bei der Aktion Spenden und Wünschen das Frauenhaus unterstützen und gleichzeitig deinen Musikwunsch abgeben oder einen FM4 Stehkalender für 2022 im FM4 Shop kaufen. Der Reinerlös geht direkt an das neue Frauenhaus im Tiroler Oberland.

Mehr zum Licht ins Dunkel-Projekt von FM4 und welche Spendenmöglichkeiten es sonst noch gibt, erfährst du hier.

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