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Erich Möchel

Facebook meldete neues Patent auf „Augen-Tracking“ an

Mitte Februar wurde ein neues US-Patent angemeldet, das eine neue Art von Daten liefern soll, die Facebook bis jetzt nicht hatte. Es sind enorm sensible „implizite“ Verhaltensdaten, die Einstellungen und mentale Dispositionen der Benutzer verraten.

Von Erich Möchel

Nun sind es schon 87 Millionen Facebook-Benutzer, deren Daten von Cambridge Analytica abgezogen wurden. Cambridge Analytica ist aber nur eine von hunderten Big-Data-Firmen unterschiedlicher Größe und Skrupellosigkeit, die als Politikberater aktiv sind. In der Branche geht man mittlerweile davon aus, dass alle zwei Milliarden Facebook-Profile wenigstens einmal von einem solchen Datenraubzug betroffen waren.

Aktuell dazu in ORF.at

Nun soll Politwerbung besonders zu heiklen Themen wie Migration in Facebook transparent gemacht werden, indem die Finanziers von Politkampagnen publiziert werden.

Auch wenn Mark Zuckerberg am laufenden Band beteuert, dass Facebook keine Überwachungsfirma sei, so sprechen die Patente der Firma eine andere Sprache. Erst im Februar hatte Facebook ein Patent auf eine Software für „Eye-Tracking“ eingereicht, die aus der Augenstellung messen kann, auf welchen Punkt am Bildschirm das Auge des Benutzers blickt. Auch die anderen neuen Patente betreffen Überwachung, und wie man daraus neue, personenbezogene Daten extrahiert.

Ausschnitt Facebook Patent

Facebook

Alle bisher bekannten Facebook-Patente zu „Eye-Tracking“ wurden von einem dänischen Forschungsinstitut entwickelt, so auch das jüngste. Das erste dieser Serie wurde Facebook vom US-Patentamt bereits 2013 zuerkannt.

Wie „Eye-Tracking“ funktioniert

Dieses erst am 15. Februar angemeldete Patent ist die Ergänzung und Erweiterung zweier anderer, bereits ab 2013 erteilten Facebook-Patente zur Blickverfolgung. Ein weiteres Patent ist gerade beim US-Patentamt in der Begutachtung. Aus der Beschreibung des jüngsten mit dem Titel „Systeme und Methoden zur Steuerung durch Eye-Tracking“ geht hervor, dass dabei auch bereits bekannte Methoden der Firma eingesetzt werden, wie etwa Gesichtserkennung sowie das Auslesen verschiedener Sensoren wie Beschleunigungs- oder Magnetometer. Das alles und eine leistungsfähige Kamera ist ja in jedem Smartphone oder Tablet bereits vorhanden.

Details über die Mutter von Cambridge Analytica, die auf „Schwarze PR“ und Desinformation spezialisierte SCL-Group, die ab 1994 mit Aufträgen aus dem britischen Verteidigungsministerium hochgezogen wurde.

Deren Daten werden gebraucht, um Position und Winkel des Smartphones oder Tablets zum Gesicht des Benutzers zu bestimmen. Sodann werden die Augen des Benutzers gesucht, das passiert über die Algorithmen zur Gesichtserkennung, die Facebook ja bereits seit Jahren einsetzt. Auf Basis dieser Technologie wird das gesamte „Eye-Tracking“-Verfahren erst aktiviert, wenn der Smartphone-Benutzer durch Gesichtserkennung identifiziert ist. Sollte nämlich eine andere Person dieses Smartphone gerade benutzen, würden dessen Daten dem Profil des Besitzers beigefügt. Dieser erste so ermittelte Wert liefert eine „Blickrichtungsabschätzung“ und wird dann mit der Position des Displays korreliert.

Ausschnitt Facebook Patent

Facebook

Dieses Diagramm aus der Patentschrift zeigt sozusagen das Blockschaltbild der Applikation für „Augen-Tracking“. Die gesamte Hardware dafür ist in fast allen Smartphones bereits eingebaut, es fehlt nur das Infrarotmodul. Genaueres ist weiter unten nachzulesen.

Was die Augenbewegungen verraten

Leaks zeigen, wie Wahlmanipulation via Facebook funktioniert. Die Desinformationskampagnen benutzen dieselben Methoden, die der Spindoktor Tal Silberstein auch in Österreich eingesetzt hatte.

Erst dann erfolgt die eigentliche Bewegungsmessung der Pupille, auf Basis der gesamten Daten können dann genaue Berechnungen erfolgen, auf welchen Punkt des Displays und vor allem wie lange der Benutzer darauf schaut. Sind genug solcher Datensätze von einem Individuum eingespielt, so können diese klassifiziert werden. Auf diese Weise werden nicht nur Vorlieben des Benutzers sichtbar gemacht, sondern auch seine individuellen Verhaltensmuster. Zum Beispiel wenn ein Benutzer zwar länger auf den Eingabeknopf blickt, ihn am Ende aber doch nicht drückt.

Hier geht es also um „implizite Daten“, die persönliche Einstellungen, Haltungen und Dispositionen von Individuen zutage bringen, über die diese selbst womöglich keine Ahnung haben. Noch weniger sind sie darüber informiert, was für intime Daten hier aus ihren Augenbewegungen generiert werden, und diese Daten sind das begehrteste Gut von Marken- und Marktstrategen. Die interessieren sich nämlich brennend für sämtliche Parameter rund um jede Kaufentscheidung und zwar besonders dann, wenn diese Kaufentscheidung letztlich doch nicht gefallen ist.

Ausschnitt Facebook Objektaktivierung

Facebook

Der Schlüssel zu dieser Grafik ist der letzte Punkt: Wird ein Objekt auf dem Bildschirm länger angeblickt, wird es automatisch aktiviert. Mit einer weiteren Augenbewegung, etwa durch Zwinkern, kann dieser Link dann angeklickt werden.

„Mit den Augen Smartphones bedienen“

Sachdienliche Informationen, Metakritiken et al. sind über dieses Formular verschlüsselt und anonym beim Autor einzuwerfen. Verbindungen via TOR-Netz willkommen. Wer eine Antwort will, gebe tunlichst eine Kontaktmöglichkeit an.

Ein essentielles Stück Hardware fehlt jedoch bis jetzt in den Smartphones, denn um zu funktionieren, benötigt das „Eye-Tracking“-System nämlich Infrarot-LEDs. Damit müssen Iris und Pupille des Besitzers ausgeleuchtet werden, dass die Kamera hochauflösende Bilder liefern kann. Gebraucht werden zumindest 30 Frames pro Sekunde, heißt es in der Patentschrift. Erst dann funktioniere das System so genau, dass einzelne Buttons auf dem Bildschirm sicher identifiziert werden könnten.

Wie der Titel sagt, ist die hauptsächliche Anwendung für dieses Patent die Steuerung durch „Eye-Tracking“. Das ist das Feature, das dem Kunden nämlich verkauft werden soll: Bedienung des Smartphones mit den Augen. Die dafür benötigten Infrarotmodule sind spottbillig und können an den USB-Port angesteckt werden, solche Module sind nämlich schon auf dem Endverbrauchermarkt angelangt. Ebenso gut können Infrarot-LEDS bereits in einer der nächsten Generationen von Smartphones enthalten sein, von denen wieder neue Features besonders bei den Kameras erwartet werden - wie etwa Nachtaufnahmen und Wärmebilder. Der Weg in die Datenhölle ist ja bekanntlich mit „Customer Convenience“ asphaltiert.

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