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Das Lichtermeer 1993

APA-Photo: Kurt Keinrath

25 Jahre SOS Mitmensch - was hat sich seit dem Lichtermeer von ’93 getan?

Fünf Tage zu früh, aber eigentlich sind es genau 25 Jahre, seit dem Lichtermeer am Heldenplatz. 1993 haben sich dort zwischen 250.000 und 300.000 Menschen am Heldenplatz in Wien zusammengetan, um zu demonstrieren. Gegen Ausländerfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und gegen eine gesellschaftliche Spaltung.

Von Nadine Cobbina

Es ist bis heute die größte Kundgebung der Zweiten Republik. Nicht zufällig ist der Heldenplatz immer wieder Hotspot für Kundgebungen und Demonstrationen. Am einstigen Triumphort des Nationalsozialismus stehen 1993 die Menschen mit Kerzen und Fackeln in der Hand und erleuchten so den Inneren Bezirk.

SOS Mitmensch wurde mit der Idee gegründet, sich gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus einzusetzen und das Lichtermeer zu veranstalten. The idea was born 1992, nach dieser Riesen-Demonstration hat sich die Hilfsorganisation an die Arbeit gemacht und mitunter versucht, sich gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus stark zu machen.

Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch, war damals auch dabei. Er erzählt mir, dass die Hilfsorganisation nach der Kundgebung vor 25 Jahren verstärkt versucht hat, gegen Verschärfungen des Asyl- und Fremdenrechts vorzugehen. Das Lichtermeer hat einen Schub gegeben, ich frage nach, was seither passiert ist.

„Da hat sich extrem viel entwickelt. Eine starke, bunte, vielfältige Menschenrechtszivilgesellschaft. Es gab auch konkrete Erfolge. Von der Einführung der Grundversorgung für Asylsuchende, die es davor nicht gegeben hat, von der Stärkung des Bleiberechts für Personen, die schon ein paar Jahre in Österreich sind, bishin zur Eindämmung rassistischer Polizeigewalt. Es wurde der Menschenrechtsbeirat auf den Druck der Zivilgesellschaft hin gegründet und vieles Mehr.“

Die Hilfsorganisation hat ihre Meilensteine und Erfolge zusammengefasst. Was alles passiert ist, gibt’s im Detailzum Nachlesen.

Zivilcourage erwartet sich SOS Mitmensch immer noch und hat auch im letzten Jahr mit anderen Hilfsorganisationen zur Bildung einer Lichterkette um das Regierungsviertel in Wien aufgerufen. Mitgemacht haben laut Angaben der Veranstalter rund 10.000 Menschen. Kein Vergleich zu dem Lichtermeer von 1993.

Wie ist das jetzt? Wird Zivilcourage bei uns in Österreich weniger groß geschrieben, als vor 25 Jahren? Es herrscht doch momentan eine gewisse Demokratiemüdigkeit?

„Zum einen ist die Bereitschaft zur Zivilcourage und zum Menschenrechtsengagement so groß wie nie. Wir haben das nicht nur 2015 gesehen, Wir sehen aber auch, dass es eine starke Gegenbewegung gibt. Es ist auch unangenehm, sich für die Rechte von Minderheiten einzusetzen und für sozialen Ausgleich. Weil das kann auch bedeuten, dass man ein bisschen etwas hergibt und nicht nur empfängt. Da gilt es, darauf aufmerksam zu machen, dass Demokratie und Menschenrechte nur funktionieren, wenn man sich engagiert und auch bereit ist, etwas herzugeben. All den Menschen, die uns tatkräfig untertsützt haben, denen möchte ich auch dafür danken.“

Diesen Sonntag findet eine Matinee im Burgtheater, die unter dem Motto „Zivilcourage unlimited“ steht. Sie soll hochgelebt und befeuert werden. Maschek, Stefanie Sargnagel und Dirk Stermann gehören zum Programm, ab 11Uhr geht’s los und Karten gibt’s für fünf oder sieben Euro an den Burgtheaterkassen. Alle Infos dazu auch hier!

Warum sind beim Lichtermeer viel mehr Menschen auf die Straße gegangen, als es bei den jetzigen Demonstrationen der Fall ist? Sind Demonstrationen schon ausgelutscht?

„Ich denke nicht, dass es mit der Häufigkeit zu tun hat. Damals waren zwei Themenbereiche sehr wichtig: Das Rassismus- & Fremdenhassthema und auch der Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus. Der Involvierung vieler Östereicherinnen und Österreicher in das Nazi-Regime. Die FPÖ ist damals stellvertretend für eine Gruppierung gestanden, die beides in Frage stellt. Also den Konsens, dass es keinen politischen Rassismus mehr geben sollte und sie waren auch eine Gegenbewegung zur kritischen Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit. Das hat viele Menschen mobilisiert.“

Wie geht’s mit SOS Mitmensch jetzt in den nächsten 25 Jahren weiter?

„Bei der Matinee werden wir mit Persönlichkeiten sprechen, die außergewöhnliche Zivilcourage gezeigt haben und die auch Vorbilder in Sachen ‚Mut geben‘ sein können. Wir werden unseren Ute Bock -Zivilcourage-Preis auch an zwei Holocaust-Überlebende vergeben, die sich seither für Aufklärung über die Nazizeit eingesetzt haben und die sich auch gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus stark gemacht haben. Das werden auch wichtige Themen für unsere kommenden Jahre sein. Vor allem, wenn wir eine rechtsextrem durchsetzte Bundsregierung haben, die Sozialabbau betreiben will und Sündenbock-Politik wieder zu ihrer Kernprogrammatik zählt. Da gilt es, dagegen zu halten und positive Impulse für eine Gesellschaft zu setzen, die zusammenwächst.“

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