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Künstliche Welle im Salzkammergut - Pläne und Modell

Max Neuböck/Rivermates

Eine Welle für Ebensee

Im Salzkammergut ist ein beeindruckendes Projekt auf dem Weg, der Riversurfszene in Österreich einen großen Schub zu geben. Hier soll die größte künstliche Flusswelle Europas entstehen.

Von Simon Welebil

Ein paar Kilometer oberhalb von Ebensee im Salzkammergut, steht in einer Wiese neben der Traun ein großer Strommasten. Wenn es nach Max Neuböck geht, soll dieser Strommasten nächstes Frühjahr optisch in den Hintergrund treten und die Wiese verschwinden. Stattdessen soll hier ein Ausleitungskanal aus der Traun entstehen, in dem SurferInnen auf der größten künstlichen Flusswelle Europas reiten.

Max Neuböck vor dem Standort der künstlichen Welle an der Traun

Simon Welebil

Max Neuböck ist 24 Jahre alt und begeisterter Surfer. Als Kind hat er im Urlaub mit dem Wellenreiten im Meer begonnen. Erst ein paar Jahre später hat er entdeckt, dass auch in seinem Heimatort, in Ebensee, gesurft wird, auf einer auf natürliche Weise entstandenen stehenden Welle in der Traun.

Diese Welle ist mittlerweile schon fast wieder Geschichte, weil sich der Flussgrund verändert hat, dafür ist ein paar Kilometer oberhalb eine neue Welle entstanden, die „Pipeline“ in Bad Ischl. Um die Wellen in Ebensee und Bad Ischl herum ist die Riversurfszene im Salzkammergut gewachsen und hat sich zum „Rivermates Surfclub Salzkammergut“ formiert, der jedes Jahr auch den „Crown of the Traun“-Riversurf-Contest abhält. Max Neuböck ist der Obmann der Rivermates und einer der fleißigsten Riversufer unter ihnen. Er kommt auf 100-120 Tage im Jahr auf Flusswellen. Daneben betreibt er im Elektrogeschäft seiner Eltern auch einen Surfshop, der speziell für die Riversurf-Szene ausgerichtet ist.

Crown of the Traun-Riversurf-Contest
Im Mai ist Bad Ischl das Kalifornien von Österreich. FM4 Draußen Reporter Claus Diwisch über den Crown of the Traun 2017.

2018 findet das Crown of the Traun Festival am 19. Mai statt.

Bei der Welle in Ebensee, wie auch bei der „Pipeline“ in Ischl, sind die RiversurferInnen immer vom Wasserstand der Traun abhängig. Im Frühjahr, zur Zeit der Schneeschmelze, wenn der Wasserpegel hoch ist, geht es recht gut zum Surfen. „Sonst sind wir hier ziemlich auf den Regen angewiesen“, sagt Max Neuböck, „und wir kommen so maximal auf 70-90 Surftage in der Saison“.

Max Neuböck vor dem Standort der künstlichen Welle an der Traun

Simon Welebil

Wie verlängert man die Surfsaison?

Schon als 14-Jähriger hat sich Max überlegt, wie man es angehen könnte, dass man die Surfsaison in der Traun verlängern könnte, mit einer künstlichen Welle. Seither haben sie sich Know-How angeeignet, Flusswellen studiert, Kontakte geknüpft und Pläne geschmiedet. Als einzig sinnvolle Art und Weise, eine künstliche Flusswelle zu schaffen ist schließlich die Errichtung eines Umgehungsgerinnes übriggeblieben - ähnlich dem eines Wasserkraftwerks -, in das dann eine Wellenkonstruktion eingebaut wird.

Künstliche Welle im Salzkammergut - Pläne und Modell

Max Neuböck/Rivermates

Die Standortsuche für so eine Konstruktion hat dann einiges an Zeit verschlungen, erzählt Max, weil sie einige Voraussetzungen erfordert. Der Fluss sollte auf einem relativ kurzen Stück möglichst viel Gefälle aufweisen, daneben sollte genug Platz für den Ausleitungskanal sein und verfügbar müsste der Grund auch sein.

Max Neuböck vor dem Standort der künstlichen Welle an der Traun

Simon Welebil

Die Sohlstufe an der Traun

Als der aktuelle Standort an einer Sohlstufe der Traun gefunden wurde, haben Max und die Rivermates dann gemeinsam mit Ingenieuren aus Bayern und den USA an ihrem Wellenprojekt gefeilt, dessen Eckpunkte jetzt feststehen. Etwa 150-180 Meter lang wird der Kanal werden, je nach Messung, und 10m breit.

Über hydraulische Klappen wird dann die Welle erzeugt, die man über die Klappen auch in der Höhe reduzieren kann, von einem bis etwa eineinhalb Metern Höhe. Aus Versuchen, für die sie ein Modell im Maßstab 1:8 gebaut haben, wissen sie, dass diese Welle qualitativ sehr gut fürs Surfen sein wird und ihnen mehr als 200 Surftage in der Traun garantiert. Und im Gegensatz zu Wellen direkt im Fluss wird die künstliche Welle auch viel anfängerfreundlicher sein, weil sich hinter der Welle nicht die reißende Traun, sondern ein moderat fließendes Auffangbecken befindet.

Künstliche Welle im Salzkammergut - Pläne und Modell

Max Neuböck/Rivermates

Das 1:8 Modell für die Welle

Zu groß für ein Hobbyprojekt

Welche Dimensionen dieses Projekt erreichen würde, haben die RiversurferInnen im Salzkammergut am Anfang noch nicht wissen können - auch finanziell. Auf etwa eine Million Euro schätzt Max Neuböck die Kosten. Die könne man nur aufbringen, wenn das Projekt betriebswirtschaftlich betrieben wird.

Mit Unterstützung seiner Eltern und der Surfszene will Max Neuböck dieses Unternehmen stemmen. Einen Businessplan dazu hat er erstellt, etwa zehn SurferInnen braucht er pro Tag auf der Welle, damit er aufgeht, bei einem moderaten Tagesticket-Preis von ca. 20 Euro. Max setzt auf eine wachsende Riversurf-Szene als SurfkundInnen, dazu auch auf einige der tausenden TouristInnen, die jedes Jahr an den Traunsee und in das Salzkammergut kommen.

“The Wave. River Surf Passion Salzkammergut“ beim Sörf Film Fest
Max Neuböck und die Rivermates haben für das Sörf Film Fest einen Film produziert, der die junge Geschichte des Riversurfens an der Traun erzählt und auch das Projekt „THE WAVE - Stehende Welle Ebensee“ erstmals einem größeren Publikum vorstellt.

Beim Sörf Film Fest gibt’s auch einen zweiten Film übers Riversurfen, über den legendären Eisbach in München, dazu Surffilme aus Australien, den USA, aus Dänemark, Frankreich, Spanien und Irland.

Das Sörf Film Fest startet am 9. Mai 2018 im Gartenbaukino in Wien, kommt dann am 10.5. ins KIZ Royal Kino nach Graz, am 11.5. ins Leokino nach Innsbruck, am 12.5. ins Das Kino in Salzburg, am 19.5. zum Crown of the Traun Festival nach Bad Ischl und am 8.7. ins Kino im Kesselhaus in Krems.

Der Ebenseer Bürgermeister steht hinter dem Projekt und auch mit den zuständigen Behörden wäre die Gesprächsbasis bis jetzt sehr gut gewesen, erzählt Max. Vor Kurzem hat er die Flächenwidmung und die wasserrechtliche Genehmigung eingericht. Wie lange der Genehmigungsprozess bei so einem neuartigen Projekt dauern wird, ist ungewiss, doch Max Neuböck hofft, dass noch diesen Herbst Baubeginn ist. „Großes Ziel wäre es, dass wir schon nächstes Jahr im Frühling auf der künstlichen Welle surfen können“.

Riversurfer in der Traun

Max Neuböck/Rivermates

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