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Chilly Gonzales und Feist

Nina Rhode / Stadtkino Wien

Schnell, schlau und sympathisch

Der deutsche Regisseur Philipp Jedicke hat mit „Shut Up and Play the Piano“ eine Doku über den großen Musiker und Entertainer Chilly Gonzales gemacht.

Von Natalie Brunner

Die Doku „Shut Up and Play the Piano“ besteht zu einem großen Teil aus dem Videoarchiv von Gonzales. Seine Freundinnen und Weggefährtinnen und natürlich er selbst kommen zu Wort. Das Ganze wirkt ein bisschen wie eine pseudo-objektive Mockumentary, die den Musikerinnen huldigt, wäre da nicht der subversive Geist von Chilly Gonzales in allem spürbar. Um es kurz zu sagen: „Shut Up and Play the Piano“ ist genauso schnell und schlau und sympathisch wie Gonzales selbst.

Jeder, der behauptet, er sei ein Genie, wird von mir mit lautem Gelächter verhöhnt. Außer es handelt sich um Chilly Gonzales. Ich bin Fan von Gonzales, seit ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Gesehen und nicht gehört.

Ein Interview mit dem Regisseur von „Shut Up and Play the Piano“, Philipp Jedicke, könnt ihr am Sonntagnachmittag in FM4 Connected hören.

Eine jüngere Version von mir lustwandelte vor vielen Monden in den weitläufigen und vertrackten Katakomben des Wiener Funkhauses. Und plötzlich am Gang eine junge Frau in pinken Latex-Hotpants und ein in meiner Erinnerung riesengroßer Typ in einem Safari-Anzug, komplett mit diesem runden Helm. Er sah aus wie der Bösewicht direkt aus einem antikolonialistischen Comic und sie wie eine Punk-Barbarella, die gekommen war, um Jane Fonda in den Arsch und vom Thron zu stoßen. Die beiden waren sehr nett, sagten Hallo und die Dame wurde mir als Peaches, the Protegé with a great future certain vorgestellt.

Das war nicht auf einer Bühne oder um eine Medienvertreterin zu beeindrucken. Das waren Artists, die total in dem Charakter aufgingen, als den sie sich konzipiert hatten. Seit diesem Moment verehre ich Gonzales und Peaches und ihre Ex-WG-Kollegen Feist und Mocky. Gonzales ist kein Poser, er ist ein großartiger Musiker und Entertainer, der so tut, als wäre er ein Poser und in dieser Rolle verkündet, er sei ein Genie, aber nur um mit dem heiligen bildungsbürgerlichen Genie-Begriff seine subversiven Scherze zu treiben und gleichzeitig alle musikalischen Erwartungen noch zu übertreffen.

Chilly Gonzales mit dem RSO Wien

FM4 / Pamela Rußmann

Chilly Gonzales ließ den Nerd-Rap und die Klaviervirtuosität lustvoll und sehr intensiv mit dem Wiener Radio-Symphonieorchester zusammenkrachen, schrieb Stefan Trischler damals in seiner Review zur FM4 Radiosession im Wiener Funkhaus 2011.

Kleine Bemerkung am Rande, Anfang dieses Monats ist der dritte Teil von Gonzales’ Solo-Piano-Reihe erschienen, von der ihm schon der erste Teil Vergleiche mit Erik Satie einbrachte.

Da uns nicht allen das Privileg zu teil geworden ist, Chilly Gonzales in seinem natürlichen Habitat, also auf der Bühne zu beobachten, egal ob als Rapper, als singenden Demagogen im pinken Anzug, als weltrekordhaltendes Piano-Genie im durchschwitzten Frottee-Bademantel, gibt es jetzt einen Film über ihn: „Shut Up and Play the Piano“.

Chilly Gonzales

Chilly Gonzales

Altes Material wird kombiniert mit einem Interview, das Chilly Gonzales mit der als Journalistin verkleideten Schriftstellerin Sibylle Berg führt. Wenn ihr Chilly noch nicht gekannt und verehrt habt, dann werdet ihr es nach „Shut Up and Play the Piano“ tun. Wenn ihr ihn schon geliebt habt, dann werdet ihr es nach der Doku doppelt und dreifach tun.

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