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Notorious B.I.G.

George DuBose/Netflix

FM4 HipHop Lesekreis

Schicksalsjahre eines Rap-Giganten

Der FM4 HipHop-Lesekreis spricht über eine neue Dokumentation, in deren Mittelpunkt die Anfänge des größten Rappers aller Zeiten stehen: The Notorious B.I.G.

Am 9. März 1997 starb Brooklyns größte Hoffnung. Christopher Wallace alias The Notorious B.I.G. war gerade an der Westcoast, um nach dem Tod seines früheren Freundes und später erbitterten Rivalen 2Pac für Frieden zwischen den Küsten zu werben und um gleichzeitig seine neue Platte zu bewerben. Deren Titel Life After Death entwickelte sich in vielen Köpfen für immer zur düsteren Vorahnung, weil der Rapper am Heimweg von einer Party in LA kurz nach Mitternacht an der Ecke Wilshire Boulevard und Fairfax Avenue im Auto erschossen wurde. Als die Prozession mit seinem Leichenwagen eine Woche später durch Brooklyn rollte, entwickelte sich trotz der großen Trauer eine Straßenparty zu Ehren des lokalen Helden, der nur 24 Jahre alt werden durfte.

Mit diesen Szenen startet auch „Biggie: I Got A Story To Tell“, eine neue Dokumentation über den Rap-Giganten. Den vielen schon bestehenden Erzählungen zum Thema hat diese ein paar entscheidende Dinge voraus: Bislang nie gesehene VHS-Aufnahmen von Notorious B.I.G.s Jugendfreund Damion ‚D-Roc‘ Butler etwa, die hinter den Kulissen, bei Konzerten oder im Studio Einblicke in die wahre Persönlichkeit von Christopher Wallace bieten. Oder ausführliche Erzählungen seiner Mutter und Großmutter, die den Menschen hinter der Rapper-Persona noch plastischer werden lassen.

Da erfahren wir etwa von den allsommerlichen Reisen zurück nach Jamaika, das Heimatland von Voletta Wallace. Dort saugte der junge Christopher die Energie der Dancehall-DJs ebenso auf wie die Country-Musik, die seine Familie gerne hörte. Auch der nebenan am St. James Place in Brooklyn wohnende Musiker Donald Harrison entpuppte sich als Inspirationsgeber, indem er seinen Nachbarsjungen in Museen mitnahm und ihm die Rhythmen des Jazz näherbrachte, was sich später im synkopierten Rap-Flow von The Notorious B.I.G. niederschlagen sollte.

Besonders stark prägte den Mann, den eigentlich alle Biggie Smalls nannten (bis dieser Typ seine Namensrechte einklagte), aber seine Zeit auf der Fulton Street. Dort verkauften er und seine Freunde, die er Junior Mafia nannte, einige Jahre Crack. Weil er den Versprechungen der Musikindustrie anfangs nicht vertraute, hielt er sich diese Option noch eine Weile offen. Erst der viel zu frühe Tod eines Kollegen verschob den Fokus: Ab diesem Zeitpunkt verschrieb sich Christopher Wallace ganz seinen Rap-Songs, die er trotz harter Worte gerne mit Soul garnierte. Und die Junior M.A.F.I.A. nahm er ins Rap-Game einfach mit!

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Der FM4 HipHop-Lesekreis zum Nachlesen oder als Podcast. Das Buch gibt es auch im ORF Shop.

Dass Lil Kim, die herausragende und extrem einflussreiche Rapperin dieser Formation, nur einmal kurz im Bild ist und nicht zu Wort kommt, ist das größte Versäumnis von „I Got A Story To Tell“. Neben der musikalischen Zusammenarbeit verband die beiden auch eine jahrelange Beziehung, in der es laut Kim auch zu Gewalt kam. Und das ist das Problem mit vielen biographischen Dokumentationen, in die Freunde und die Familie stark eingebunden sind: Im Austausch für gutes Material und persönliche Einblicke bekommen sie auch Kontrolle über die Geschichte, die erzählt wird. Und wenn man Voletta Wallace herzenssympathisch, aber auch etwas naiv erzählen hört, dass sie die Musik ihres Sohnes wegen der Inhalte eigentlich gemieden hat, kann man sich gut vorstellen, dass sie gewisse Seiten von Christophers Leben auch nicht beleuchten lassen wollte.

Die Dokumentation fügt unserem Bild von Biggie trotzdem wichtige Mosaiksteine hinzu. Trotz der Albumkonzepte von „Ready To Die“ und „Life After Death“ dürfte der Rapper demnach keine Todessehnsucht verspürt haben, im Gegenteil: Er hatte sehr viele Pläne, die er leider nicht mehr umsetzen konnte.

Im FM4 HipHop-Lesekreis mit Natalie Brunner, Mahdi Rahimi, Sebastian Seidl und meiner Wenigkeit sprechen wir auch kurz über Was-wäre-wenn-Szenarien, aber wesentlich ausführlicher über den Film und die Karriere des Notorious B.I.G.:

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