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APA/HERBERT NEUBAUER

die Aufdeckerin

Die Aufdeckerin - Der gebrochene Kern

Exklusiv enthüllt: Bundeskanzler Kern wurde für einen Jüngeren verlassen.

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Was kommt jetzt auf den Ballhausplatz? Ein Anti-Terror-Mäuerchen? Ein Poller-Wald? Neueste Gerüchte sprechen gar von einer Flak? Höchste Zeit für die Aufdeckerin. In unfehlbaren Schritten nähere ich mich dem Ballhausplatz, denn ein Lokalaugenschein ist der Beginn jeder gnadenlosen Aufdeckung. Aber was ist das? Aus den verwaisten Baugräben tönt ein verhaltenes Schluchzen! Ich blicke hinunter und da entdecke ich eine zusammengekauerte Person im Eck der kalten Baugrube. Sofort nehme ich Kontakt auf.

Die Aufdeckerin

„Die Aufdeckerin“ wird gesprochen und geschrieben von Antonia Stabinger. Sie ist Kabarettistin, schreibt und spielt im Theaterkabarett-Duo Flüsterzweieck.

Ich traue meine Augen nicht: Die einsame Person ist Bundeskanzler Kern! Hat er – wirr vom Wahlkampffieber – sein Büro mit der Baugrube verwechselt? Hat er sich verletzt? „Ja!“, schluchzt er. Aber die Rettung solle ich nur rufen, wenn die das rote Blut stoppen könnte, das aus einem gebrochenen Herz fließt. Ich bin ratlos. So große Emotionen von einem Mann, der sonst nur mit tiefer Stimme Dinge versachlicht – das überfordert mich. Ich werfe ihm übersprünglich ein Taschentuch in den Graben hinunter, er schnäuzt sich innig und beginnt zu erzählen.

Stockend bricht es aus ihm heraus. „Es ist einfach... Wir haben uns so gut verstanden. Wie er in Parndorf das so super mit den Flüchtlingen gemanagt hat, natürlich hab ich ihm da gratuliert! Und da hat er sich ganz besonders gefreut. Und wie ich den Plan A präsentiert hab, hat er mir immer so zugegrinst. Das hab ich mir doch nicht eingebildet!“ Wie kann ich herausfinden, von wem hier die Rede ist? Was genau Herrn Kern so großflächig bedrückt? Unbeirrt setzt er seinen Leidensmonolog fort. „Und jetzt! In einem öffentlichen Interview! Wissen Sie, wie weh mir das tut? So auf ‚Ja, ich bin der Super-Doskozil, und der Kern ist mir zu alt. Da such ich mir lieber einen Jüngeren!‘ Wie klischeehaft ist das denn! Und so toll ist der Kurz jetzt auch nicht, nur weil er ein Wunderkind ist, das tut, als wär es Sechzig.“

Als Aufdeckerin finde ich natürlich nicht nur die Wahrheit, sondern auch immer Trost. Ich reiche Kern also kompetent einen Zettel und einen Stift in den Graben hinunter. „Wir schreiben das jetzt alles auf einen Zettel. Und dann verbrennen wir den. Und dann wird’s nicht mehr wehtun. Ok?“ Er vollzieht zustimmend einen Bauernschnäuzer und beginnt zu schreiben. Aber mein Wahrheitszwang stellt mir schließlich doch noch ein Bein. Leise, aber doch, muss ich hinzufügen: „Am 15. Oktober könnten trotzdem wieder Schmerzen auftreten.“ Ich laufe los, um eine Familienpackung Taschentücher zu kaufen.

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