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Filmflimmern

Neu im Kino: „The Snowman“, „Träum was Schönes“. Außerdem: Große Empfehlung für „78/52“ auf der Viennale, ein Update der Causa Harvey Weinstein und Pennywise mit Zigarette.

Von Pia Reiser

The Snowman

Nach der exzellenten Verfilmung von John Le Carres Spionroman „Tinker Tailor Soldier Spy“ bleibt Regisseur Tomas Alfredson den Buchvorlagen treu und bringt Jo Nesbos „Der Schneemann“ ins Kino. Fassbender muss als alkoholkranker Ermittler (gibts denn auch Andere in nordischen Krimis?) einen mysteriösen Fall lösen, trägt dabei aber trotz Kälte nie einen Schal, dafür Charlotte Gainsbourg einen Namen, der in größtmöglichen Kontrast zu ihrer sphärischen Erscheinung steht: Rakel Fauke. Mehr zu „The Snowman“ gibts hierin der ausführlichen Kritik von Christian Fuchs zu lesen, er verleiht 5 von 10 Leichen.

Stills aus dem Film "The Snowman"

Universal

Träum was Schönes

Lässt euch nicht vom Plakat täuschen, das aussieht wie eine weitere Verfilmung von „Der kleine Nick“ in „Träum was Schönes“ kämpft ein Journalist auch noch vierzig Jahre später unter dem plötzlichen Tod seiner Mutter. Der Verlust hat ihn schwer traumatisiert und er weigert sich den Tod seiner Mutter hinzunehmen, erfindet Geschichten, dass sie noch lebt und versucht schließlich mit einer Therapeutin, sich seinem Traume zu stellen. Anna Katharina Laggner vergibt 6 von 10 melancholischen Gedanken.

Kleiner Bub am Schoß seiner Mutter

polyfilm

Viennale-Tipp: 78/52

Mit Hitchcock ist man nie fertig, zu keinem Regisseur gibt es wohl mehr Literatur - und Dokumentationen. „78/52“ widmet sich beinah ausschließlich der legendären Duschszene aus „Psycho“. Eine nackte Frau unter der Dusche eines Motels, ein schrill einsetzender Soundtrack, ein Mörder, den man nur schematisch zu Gesicht bekommt. Schnelle Schnitte, die 1960 eine Sensation waren, die als Hauptfigur angenommene junge Frau, die nach einem Drittel des Films einfach ermordet wird. In einem nachgebauten Zimmer des „Bates Motel“ aus dem Film sitzen in „78/52“ unter anderem Guilhermo del Toro und Bret Easton Ellis und sprechen über die popkulturelle Bedeutung des Films und dieser Szene. Pluspunkte für die äußerst kurzweilige Doku gibt es dafür, dass hier nicht nur Männer in Expertenfunktion zu Wort kommen. Mehr Viennale-Tipps gibts hier- von Christoph Sepin.
Mo, 23. 10, 21 Uhr, Urania
Di, 24.10, 13 Uhr, Metro, Eric Pleskow Saal

janet leigh

viennale

Außerdem

Die Causa Harvey Weinstein zieht weite Kreise, die Berichte von Schauspielerinnen über sexuelle Belästigungen - nicht nur in Gestalt von Harvey Weinstein - nehmen kein Ende. Molly Ringwald screibt für „The New Yorker“ über all die anderen Harvey Weinsteins ihrer Karriere. Schrecklicherweise wenig überraschend hat sich auch Björk zu Wort gemeldet und über sexuelle Belästigung durch Regisseur Lars van Trier während der Dreharbeiten zu „Dancer in the Dark“ berichtet. Van Trier verneint.

Inzwischen gibt es auch Vorwürfe gegen Harveys Bruder Bob Weinstein und Roy Price, Chef der Amazon Studios ist nach mehreren Berichten über sexuelle Belästigungen von Mitarbeiterinnen, zurückgetreten. Harvey Weinstein ist von der Academy of Motion Pictures Arts & Sciences ausgeschlossen worden und auch vom Vorstand seiner eigenen Firma „The Weinstein Company“ entlassen worden. Channing Tatum hat seine Geschäftsbeziehungen mit TWC beendet und wird auch „Forgive me, Leonard Peacock“ - ein Film, in dem es um sexuellen Missbrauch geht - verständlicherweise nicht - wie geplant - mit TWC produzieren. Drehbuchautor Scott Rosenberg hat auf Facebook einen Eintrag verfasst, in dem er über seine Zusammenarbeit mit Weinstein schreibt: „Everybody fuckin knew“.

Auf Facebook und Twitter melden sich Frauen, die sexuelle Belästigung erlebt haben unter dem Hashtag #metoo zu Wort (bzw in Frankreich #BalanceTonPorc), um die grässliche Allgegenwärtigkeit von sexuellen Übergriffen und Belästigungen - auch in Politik und Sport - sichtbar zu machen.

And now to something completely different: Freuen wir uns jetzt schon mal auf Februar 2018, da geht „byNWR“ eine von Nicolas Winding Refn kuratierte Streaming-Plattform online, die sich obskuren Hollywood-Filmen widmet. „rare, the forgotten and the unknown, breathing new life into the culturally intriguing and influential“ - und gratis sein soll. Sign me up, Scotty.

#accidentalwesanderson zeigt auf Instagram, dass die Welt durchaus nach Wes Anderson ausschauen kann, wenn man nur genau hinschaut. Die supere Lake Bell arbeitet gemeinsam mit „New Girl“-Schöpferin Liz Meriwether an einer Sitcom, Netflix bringt ab 27. 10. eine Doku über Joan Didion und für alle, die noch tiefer in die Welt der Serie „Mindhunters“ tauchen wollen, hier sind Interviews mit Serienkillern versammelt. imdb.com hat eine schöne Sammlung von Fotos von Dreharbeiten zu Horrorfilmen, wer immer schonmal Pennywise mit ZIgarette oder eine blutüberschüttete aber lachende Sissy Spacek sehen wollte, klickt hier, Winona Ryder findet Keri Russell in „The Americans“ so fantastisch wie jeder, der auch nur drei Sekunden der Spitzenserie gesehen hat und „Call my by your name“, der Film auf den ich so sehnsüchtig warte, hat endlich eien österreichischen Starttermin: 2. März 2018. Wie sagt man immer, wenn die Welt untergehen sollte, dann nach Wien, da passiert immer alles erst Jahre später.

Termine

19.10: Start der Viennale
22.10: Alfred Hitchcocks „The Lodger“, Breitenseer Lichtspiele, Wien
22.10 Song, Film, Same Title: Drehli Robnik feat. Sissiboy
„Sabotage, Spellbound, Vertigo, Psycho, Topaz gibt es als Filme von Hitchcock und als Songs jeweils von den Beastie Boys, Siouxsie & The Banshees, Stereo Total, den Sonics und den B 52s. Kino und Popmusik teilen sich zahllose Titel, ohne dass Song und Film einander kennen. Wir spielen das Lied zum Filmclip, ob´s passt oder nicht. Frank Oceans Forrest Gump mit Tom Hanks, Grimes´ Oblivion mit Tom Cruise, Premingers/Marleys Exodus. Aufgelegt & projiziert von 90er-Fossil Drehli Robnik, flankiert vom Sissiboy (of Nil Desperandum-fame).“ Kunsthalle im Museumsquartier

In diesem Sinn: We all go a little mad sometimes („Psycho“)

mehr Pia Reiser:

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