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Ezra Furman

Ezra Furman

FM4 Artist Of The Week

Return of the Tomgirl

Sinnierend, reflektierend, aufreibend: Ezra Furman hat ein neues Album namens „Transangelic Exodus“ und ist unser Artist of the Week.

Von Christoph Sepin

Es war einer der schönsten Konzertmomente des vergangenen Jahres: Ein volles WUK in Wien, auf der Bühne Ezra Furman und seine Band The Boy-Friends. In einem stillen Moment zwischen Songs schreit jemand in Richtung der Stage: „I love you, Ezra!!“ und die Antwort von Furman prompt und seufzend: „I know... But that’s not enough.“

Es ist nie genug. So viele Lieder, die man schreiben kann. So viele Geschichten zu erzählen. So viele Genres zu erkunden und Einflüsse, die man in Songs verpacken kann.

Ezra Furman versucht zumindest mit diesem Überfluss an Möglichkeiten irgendwie fertig zu werden. Nimmt Musik der Vergangenheit und mischt sie mit aktuellen Inspirationen. Ein bisschen Rock’n’Roll, eine Prise Doo-Wop, experimentelle, manchmal an die Übersteuerung grenzende Instrumentalisierung und Drumrhythmen. Und immer drüber thronend, Furmans Stimme: sinnierend, reflektierend, aufreibend.

Angefangen hat alles irgendwie Mitte des letzten Jahrzehnts. Damals hieß Furmans Band noch The Harpoons, die im Jahr 2006 das Debütalbum „Beat Beat Beat“ selbst veröffentlichte.

Drei Alben sollten die Harpoons herausbringen, bis sich die Band in The Boy-Friends umbenannte und im Jahr 2015 das große Album veröffentlichte: „Perpetual Motion People“. Darauf zu finden Lieder über Sexualität und Gender, das Außenseitertum und die Schmerzen der Liebe. „Lousy Connection“, der große Hit im Doo-Wop-Stil und „Ordinary Life“ mit der großartigen Opening-Zeile: „I’m sick of this record already“.

“If you’ve heard of a tomboy, I’m sort of the inverse of a tomboy", sagt Furman in einem Interview mit der Financial Times. "I think of myself as a tomgirl. A boy who’s girly in every presentational aspect. And I play guitar and write good songs.”

Auf der Bühne trägt der Musiker aus Chicago Kleider und Lippenstift, zelebriert seinen eigenen Individualismus, lässt sich nicht in Schubladen stecken. Obwohl das von Musikmedien versucht wird. Aber irgendwie steckt da so viel Eigensinn und Kompromisslosigkeit in der Figur Ezra Furman, dass er, wenn schon, dann seine ganz eigene Schublade wäre.

Über Engel und die Liebe

Diese Woche erscheint das neue Album von Ezra Furman und seiner Band, die wieder einen neuen Namen hat und mittlerweile The Visions heißt. „Transangelic Exodus“ heißt die Platte, ein quasi Konzeptalbum, das sich um eine Welt dreht, in der Engel unter den Menschen leben.

“The narrative thread is I’m in love with an angel, and a government is after us, and we have to leave home because angels are illegal, as is harbouring angels", so Furman. „The term ‘transangelic’ refers to the fact people become angels because they grow wings. They have an operation, and they’re transformed. And it causes panic because some people think it’s contagious, or it should just be outlawed.“

Da kann man natürlich viel herauslesen und vieles für Metaphern nehmen. Paranoia, Autoritarismus, ein generelles gesellschaftliches Unbehagen. Aber nicht nur textlich gibt es so einiges auf „Transagelic Exodus“ zu entdecken, sondern auch in der Instrumentalisierung.

Schon am Opening Track „Suck The Blood From My Wounds“ mischt sich jede Menge Dissonanz unter Furmans sinnierende Stimme. Erinnert irgendwie an so Alben wie „Digital Ash in a Digital Urn“ von den Bright Eyes, man weiß nicht, wo das nächste Sample beginnt und endet. Oder ist das alles gar nicht gesampled und mit Instrumenten eingespielt?

Wie es sich für ein Konzeptalbum gehört, ist „Transangelic Exodus“ eine Platte, die auf eine Reise mitnimmt. Mit Liedern, eingebettet in die narrative Welt des Musikers, der ein düsteres Szenario zu Grunde liegt, in der aber trotz allem die Hoffnung nicht fehlen darf, die Liebe und die Zuneigung. Großes Geschichtenerzählen, große Sounds und eine tiefgehende Vision, die sich hinter den 13 Liedern am Album verbirgt.

„Transangelic Exodus“ erscheint am 9. Februar 2018, knapp eine Woche drauf, am 17. Februar, spielen Ezra Furman und The Visions dann ein Konzert in Wien. Sollte man sich nicht entgehen lassen, wegen der Großartigkeit wäre es nämlich.

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