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Digitale Grundbildung setzt auf „open educational resources“

Mit dem kommenden Schuljahr wird an Österreichs NMS und AHS-Unterstufen „Digitale Grundbildung“ unterrichtet, als verpflichtende Übung oder im Rahmen anderer Fächer, das ist den Schulen selbst überlassen. Für ein neues Fach braucht es auch das passende Schulbuch, und das wird gerade online erstellt. Auch die Meinung von Schülerinnen und Schülern ist gefragt.

Von Gerlinde Lang

Christian Swertz ist Professor für Medienpädagogik an der Uni Wien, er hat am Lehrplan für digitale Grundbildung mitgearbeitet und hat jetzt den Schreibprozess für das Schulbuch online gestartet. Ich habe mit Christian Swertz gesprochen.

FM4: Was konkret wird in diesem neuen Fach „Digitale Grundbildung“ über 4 Jahre vermittelt werden?

Christian Swertz: Das Besondere an dem Lehrplan ist, dass Medienkompetenz, also die Bedeutung von öffentlicher Kommunikation und von Medien zu verstehen, verbunden wird mit informatischer Bildung, also programmieren oder den Computer bedienen zu lernen.

Christian Swertz

Christian Swertz

FM4: Nun gibt es einen Lehrplan, aber das Buch dazu fehlt, also quasi das Vehikel, um das Know-How in die Schule zu bekommen. Sie schreiben das Schulbuch dazu nicht alleine – wie gehen Sie da vor?

Christian Swertz: Das war ein kurzfristiges Problem, weil der Lehrplan erst vor wenigen Wochen veröffentlicht worden ist und schon im September starten soll. Das wirft das Problem auf, wie man so kurzfristig ein Schulbuch erstellen kann. Wir haben dann an open educational resources gedacht, diese werden von allen Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen und ein bisschen auskennen, gemeinsam erstellt. Und damit das funktioniert, war es naheliegend, Werkzeuge zu benutzen, die z.B. auch zur Software-Entwicklung verwendet werden. Wir haben uns dafür entschieden, das mit Github zu machen, einem Werkzeug, das sehr häufig für die Produktion von open source software eingesetzt wird, und das sehr gut unterstützt, dass man mit vielen Leuten gemeinsam so einen Inhalt produziert.

FM4: Wen hätten Sie da gerne als Mitwirkende?

Christian Swertz: Wir haben Kontakt aufgenommen zu allen Leuten, die Medienpädagogik in Österreich unterrichten, das sind z.B. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Medienzentren, es haben sich auch einzelne MinisteriumsmitarbeiterInnen bereiterklärt, sich daran zu beteiligen. Das sind viele Menschen, die zum Beispiel für Safer Internet Kurse in Schulen machen, und auch KollegInnen, die Informatik unterrichten, sodass wir eine große Bandbreite von Wissen im Team haben und die einzelnen Aspekte im Lehrbuch jeweils von jemandem erarbeitet werden, der sich da gut auskennt.

Kann ich mich als Interessierte auch einklinken? Hier kann man den aktuellen Stand sehen und schauen, wo man sich beteiligen möchte.

FM4: Ist dieses Lehrbuch für digitale Grundbildung das erste, das auf diese Weise, also kooperativ erarbeitet wird?

Christian Swertz: Was mich überrascht, ist, dass bisher wenige Lehrbücher kooperativ erstellt worden sind. Es gab einen Versuch für ein Biologie-Lehrbuch für die Schule vor ein paar Jahren in Deutschland, sonst sind alle Versuche, Lehrbücher gemeinsam zu produzieren, irgendwie stecken geblieben. Ich vermute, dass eine Schwierigkeit dabei ist, eine entsprechende Technik zu haben, die diese Kooperation unterstützt - die bisherigen Lehrbücher sind nicht mit diesen open source tools gemacht worden -, und es nicht so einfach ist, Menschen dazu zu motivieren, an so etwas mitzuarbeiten, ohne Geld zu verdienen.

Bei dem Projekt geht es nicht darum, Geld zu verdienen, sondern es geht darum, digitale Grundbildung in den Schulen voranzubringen. Denn, dass die digitale Gesellschaft und digitale Kultur ein Problem und eine Herausforderung sind, ist ja in den letzten Jahren ziemlich offensichtlich geworden. Ein Beispiel wären etwa Hass-Postings oder Shitstorms, die im Internet entstehen, das ist keine besonders sinnvolle Form der öffentlichen Meinungsäußerung, weil man damit natürlich nicht eine Konsensbildung und die Möglichkeit etwas zu vereinbaren vorantreibt, sondern einfach nur Widersprüche und Widerstand produziert. Wenn ich mich sinnvoll an öffentlichen Diskussionen und politischer Meinungsbildung beteiligen und dafür sorgen will, dass meine Meinung auch gehört wird und aufgenommen wird, dann ist es natürlich eine gute Idee zu lernen, wie das geht. Und genau das soll in der digitalen Grundbildung auch unterrichtet werden.

FM4: Gibt’s auch die Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, sich einzubringen?

Christian Swertz: Ja, das ist natürlich sehr hilfreich, wenn Schülerinnen und Schüler sich an der Produktion von dem Material beteiligen. Es gibt viele, die sich für die Thematik interessieren und sich ziemlich gut auskennen. Es ist aber auch sehr hilfreich, wenn Schülerinnen und Schüler das Material aus ihrer Sicht lesen und dann vielleicht sagen: „Hey Leute, das ist eine nette Idee, aber ehrlich, uns interessiert das nicht, macht das besser anders.“

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