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Aramboa vor dem FM4 Studio

FM4 / Jan Hestmann

„Warum etwas spielen, das es schon gibt?“

Aramboa vereinen Trip Hop, Dubstep und Jazz-Experimente. Das Quartett ist der FM4 Soundpark Act des Monats.

Von Daniela Derntl

Schon beim ersten Hören fällt auf, dass Aramboa ihr Handwerk gelernt haben und sie ganz genau wissen, was sie tun. Ausgefeilt produzierte Sound-Schichten aus wabernden Beats und verhuschter Knister-Elektronik türmen sich, verzerrte Sprachsamples und Bläsersätze sorgen für Dramatik, Streicher und Keyboards umschmeicheln die Arrangements, die Sängerin Elena Shirin, mal mehr, mal weniger präsent, wie ein Satellit umkreist. Es ist ein komplexer und experimentierfreudiger Klangkörper, eine Einheit, für die man wohl am ehesten das Wort „organisch“ bemühen möchte.

Downbeat und Trip Hop sind die größten gemeinsamen Nenner des im Mai erschienenen Debüt-Albums der Band. Es heißt „Mereon Matrix“, benannt nach den Formen, die entstehen, wenn Schallwellen auf Wasser treffen. Wasser hört man auch in der Single „Styx“, benannt nach dem Fluss der Unterwelt, dem „Wasser des Grauens“ der griechischen Mythologie. Grauenvoll klingt der „Styx“ von Aramboa ganz und gar nicht, sondern vielmehr mysteriös, sphärisch, blubbernd, fließend, verspielt.

Hin und wieder blitzen in „Mereon Matrix“ auch Dubstep, Neo-Soul und Jazz-Fragmente auf. Die Elektronik wird mit „echten“ Instrumenten wie Gitarren, einem Fagott und Trompete gepaart – alles spielt eine gleichberechtigte Rolle, wie Sängerin Elena Shirin im Interview erzählt:

„Es ist für mich so ein Projekt, wo man extrem viel experimentieren kann. Wie kann ich Live-Instrumente mit Elektronik live auf eine Ebene setzen, wo eine Kommunikation stattfinden kann, die auf gleicher Augenhöhe passiert (...). Ich hab sowieso noch nie verstanden, warum ich etwas spielen soll, was schon existiert.“

Seit drei Jahren machen Aramboa Musik, zuvor waren sie, in einer etwas anderen, größeren Besetzung, als „The Black Lotus Experiment“ aktiv, wobei es sich ganz am Anfang um eine reines DJ- und Produktionsprojekt gehandelt hat. Die kreative Kernzelle des Quartetts besteht aus Produzent und Gitarrist Moritz Scharf und der ausgebildeten Jazz-Sängerin Elena Shirin. Dazu kommen noch die beiden Klassik-Studenten Lukas Moser und Andreas Stocker.

Eine Kombination, die laut Produzent Moritz Scharf viel Raum für Improvisation lässt: „Das Spannende bei uns ist auch, dass wir Instrumentalisten dabei haben, die klassische Musik studieren, aber trotzdem gerne elektronische Musik hören. Die kommen dann in die Probe oder ins Studio und haben vielleicht gerade eine Fuge komponiert und haben dann mit einem ziemlich ausproduzierten Drum-Beat zu tun, und diese Mischung und die Momente, wo spontan etwas passiert, sind sehr wichtig bei uns.“

Die Band-Mitglieder waren bisher in verschiedenen Städten verstreut, Salzburg, Wien, Klagenfurt und Linz. Deshalb sind auch viele Songs übers Internet entstanden. File-Swapping von einer Stadt zur nächsten. Gemeinsame Proben im Mozarteum in Salzburg. Nächtelange Sessions im Heim-Studio von Moritz Scharf. Doch die Band übersiedelt momentan geschlossen nach Wien, was auch den Sound und die Arbeitsweise der Band verändern wird: „Wir sitzen jetzt viel mehr im Proberaum zusammen und arbeiten gemeinsam an Ideen.“

Aramboa im FM4 Studio

FM4 / Daniela Derntl

Eine davon ist, künftig auch Hip Hop einfließen zu lassen, wenn Elena Shirin dann zu rappen beginnt: „Ich höre viel Hip Hop und es interessiert mich auch stimmlich vom Arrangement extrem, da ein bisschen hin und her zu switchen, zwischen Gesang und Rap. Das möchte ich ausbauen in nächster Zeit, also bei der nächsten EP, an der wir gerade arbeiten.“

Live ist Aramboa relativ unberechenbar, vor allem, weil viel improvisiert wird und Sängerin Elena schon mal aus zwei Songs einen macht, was bei ihren Bandkollegen für Überraschung, aber vor allem für Schmunzeln sorgt, wie Moritz erzählt:

Aramboa live:

8. Juni, Schwarzberg, Schwarzenberg Platz in Wien

10. Juni, Creativity Rules, Freysitz Hallein

17. Juni, Jazzit Salzburg

„Das ist ein absolutes Phänomen. Ich hab noch nie eine Sängerin gesehen, die ihre Texte so ineinander schieben kann und so authentisch Nummern verwechselt. Es ist, wie wenn alles eins wär. Aber mittlerweile sind wir daran gewöhnt.“

Elena ergänzt: „Ich check es meistens gar nicht. Das ist das Lustigste. Aber ich mach dass dann so, dass der Text, die Melodie oder Rhythmik, die ich aus einer anderen Nummer mit dazu nehme, sich immer genau ausgehn.“

Moritz: „Das ist auch so der Boden für unsere Zusammenarbeit. Dass es sich immer schön ausgeht.“

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