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APA/BARBARA GINDL

Die Aufdeckerin

Die Aufdeckerin - Algenlesen

Exklusiv aufgedeckt: In der alten Donau mischt die Armleuchter-Alge von innen auf.

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Ihr glaubt, Unterwassergärtner gibt es nicht? Von wegen! Selbige arbeiten zum Beispiel aktuell in der Wiener Alten Donau. Sie sind beauftragt worden, zum Grund hinunterzutauchen, die langarmigen Unterwasserpflanzen auszureißen und stattdessen sogenannte Armleuchter-Algen anzupflanzen. Die wachsen nämlich nicht so hoch und sollen die unerhört langen Pflanzen verdrängen, die die Schwimmenden immer so hinterhältig am Bauch kitzeln. Eine kuriose Tatsache. Aber nicht kurios genug für eine ausgewachsene Aufdeckung.

Die Aufdeckerin

„Die Aufdeckerin“ wird gesprochen und geschrieben von Antonia Stabinger. Sie ist Kabarettistin, schreibt und spielt im Theaterkabarett-Duo Flüsterzweieck.

Meine unfehlbaren Spürnasenhaare führen mich trotzdem an die alte Donau. Meine gnadenlose Intuition sagt mir, dass ich genau hier etwas über die österreichische Innenpolitik aufdecken kann. Was mag das bloß sein? Ich lasse meine gezielten Augen über die Wasseroberfläche gleiten. Da! Ein herrenloses Boot am Ufer! Ich hirsche lautlos näher. Im schaukelnden Boot stapeln sich graue Kisten. Eine ist halb geöffnet! Deutlich kann ich darin Algenpflanzen entdecken. Auf einmal tauchen große Blasen neben dem Boot auf. Die Gischt spritzt. Mir stockt der Atem. Wird hier gerade wie eine Venus eine neue politsche Glücksbringerin aus dem Donauschaum geboren?

Aus dem Wasser taucht zu meiner großräumigen Enttäuschung nur ein neoprenüberzogener Kopf mit großer Brille auf. Der Taucher begrüßt mich in saloppem Donaustadt-Sprech und beginnt mir den neuesten Unterwassergärtnerei-Gossip zu erzählen. Als ich ihn frage, wie man auf den Wasserpflanzentausch gekommen wäre, bin ich über die Antwort einigermaßen erstaunt: Das Biologieinstitut hat sich die Pflanz-Taktik für den Donauboden von einigen österreichischen Parteien abgeschaut. Welchen Zusammenhang mag es hier geben? Unerschrocken frage ich nach.

„Die langen Wasserpflanzen, die hier im Sommer wachsen, die sind ganz nützlich. Aber wenn man schwimmt, kratzen die immer über die Wamp’n.“, erklärt der Unterwassergärtner bereitwillig. Gut, bis dahin ist es ja nachvollziehbar. Aber was hat das mit Parteipolitik zu tun? „Wenn a Partei produktiv is und sich auf andere Sachen als die nächste Wahl konzentriert - so langfristige Ziele, nachhaltigen Reformen und so an Schas – das ist für die Wähler net fein. Des kitzelt lästig.“ Und was ist dann die Lösung? „Wir haben uns das von ein paar österreichischen Parteien abgeschaut: Alle, die wirklich was bringen, ausreißen und stattdessen Armleuchter einsetzen. Die stören niemanden, machen, ohne dass man was spürt, ihr eigenes Ding und verdrängen nach und nach alle anderen Pflanzen. Urleiwand, oder?“ Ich nicke betrübt und beschließe, mir ein großes Eis zu kaufen.

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