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Bitten By

Kidizin Sane

Unter Druck werd’ ich zum Diamanten ...

... und der passt perfekt zu schillerndem Synthpop. Die ehemalige We Walk Walls-Frontfrau Patricia Ziegler steht jetzt mit ihrem Soloprojekt Bitten By in den Startlöchern. Sie ist unser FM4 Soundpark Act im September.

Von Lisa Schneider

Kurz bevor Patricia Ziegler zum Interview im FM4 Soundpark vorbeischaut, um ihr neues Soloprojekt „Bitten By“ vorzustellen, sehe ich schnell noch ihre Instagram-Stories durch.

Da fordert sie ihre ZuseherInnen auf, ihr Liedwünsche zu schicken – sie macht dann spontan am Klavier eine Coverversion daraus. Mein liebstes Kurzvideo war eine Arcade-Fire-Neuinterpretation.

„Es ist ein super Gefühl, Musik durch mich durchfließen zu lassen. Songwriting ist immer eine sehr harte Konzentrationsarbeit, deshalb liebe ich es, zwischendurch einfach Coverversionen zu spielen.“

Noten lesen konnte Patricia lange nicht, obwohl sie schon sehr früh begonnen hat, Klavier zu spielen. Das ist alles mehr eine Gefühlssache. Der Vorteil ist, dass sie dadurch das Auswendigspielen so gut wie perfektioniert hat. Das Klavier war ihr schnell „zu langweilig“, und als sie eines Tages auf einer Hochzeit eine Harfenspielerin beobachtet hat, war klar, was als nächstes passiert. Und auch schon bald wusste die Harfenlehrerin nicht mehr, was sie Patricia beibringen sollte, weshalb sie zusätzlich noch die japanische Version der Zither – das 1,80 Meter lange Koto – zu spielen begonnen hat: „… es ist ein bisschen ein einsames Instrument. Und so auf eine Art die uncoole, große Schwester der Gitarre.“ Die übrigens das einzige Instrument ist, das die Musikerin überhaupt nicht spielen kann. Die Griffe, die Schmerzen, auch nach mehreren Versuchen wird das keine romantische Beziehung mehr.

Macht nichts, denn die Wohnung von Bitten By kann man sich auch ohne Gitarren ungefähr so vorstellen: bis oben hin voll mit Instrumenten – von Flöten über Ziehharmonika bishin zur erwähnten Zither und Synthesizern. In ihrer ehemaligen Band We Walk Walls war Patricia fürs Songwriting, Singen und hauptsächlich für die Bedienung der Synthesizer verantwortlich – mit ihrem Soloprojekt wagt sie den Schritt, jetzt alles selbst zu übernehmen.

Ihr Live-Debut gab Bitten By nirgendwo sonst als am legendären South By Southwest Festival in Austin, Texas. Es war gleichzeitig das erste österreichische Virtual Reality Konzert: Patricia hat vor Ort in Austin performt, ihre vier Livemusiker (Peter Paul Aufreiter, Martin Schiske, Ankathie Koi und Emily Stuart) im Wiener Konzerthaus. Über eine Streamingsoftware wurden sie miteinander synchronisiert - die Videoversion, im 360 Grad-Modus aufgenommen, gibt es bald zu sehen.

„Kennst du das Gefühl, dass wenn du etwas vom Ursprung her kennenlernen möchtest, dass du es ganz von vorne selbst machen musst? Ganz basic, wie zum Beispiel beim Stricken. Die Hardcore-Version davon wäre natürlich, sich noch eine Schafherde zu kaufen.“

Statt einer Schaf– ist es bei Bitten By eher eine Instrumenten- und Synthesizerherde. Letztere haben sie schon von klein auf fasziniert. Vor allem, wenn es in Richtung französischer Synthies ging, „beat-driven und discolastig“. Im Kinderzimmer lief da tatsächlich als Lieblings-CD ein Album von Jean Michel Jarre, Elektronik-Pionier und erste große Inspirationsquelle. Das hat sich über die Jahre nicht verändert, hinzu kamen etwa Perfume Genius, Electric Youth, Christine and the Queens. Vor allem aber auch Film-Soundtracks, wie der von „Drive“ oder „Blade Runner“. Tatsächlich hat Patricia Sounds aus letztgenanntem Soundtrack in ihre Songs hineinverwoben. Keine Sorge, ohne Copyright-Verstöße, versteht sich.

Bitten By

L+B

Obwohl Patricia also im wahrsten Sinn Multiinstrumentalistin ist, bewegt sich ihr Soloprojekt weg vom gitarrenlastigen Sound ihrer Band We Walk Walls – und tauscht alles Organische gegen Elektronik.

„Das ist zuallererst auch eine praktische Sache gewesen, natürlich kann man allein völlig crazy alle Instrumente selbst einspielen, und das gefällt mir zum Beispiel an Perfume Genius so gut. Ich habe aber absichtlich für meine ersten Songs nur am Computer gearbeitet, mich hat der elektronische Klang gereizt, und auch die Arbeitsweise. Es ist alles viel strukturierter und geregelter. Es klingt vielleicht auch cleaner, nicht so Rock’n’Roll ausgefranst, aber das passt zum Disco-Sound, der mir wichtig war.“

Patricia komponiert, schreibt und produziert alles selbst – mit dem Feinschliff half ihr dann Musikerkollege Peter Paul Aufreiter (Hearts Hearts, Kids N Cats). Eine weitere wichtige Freundin und Mentorin ist Ankathie Koi – ebenso wie Gerard, bei dessen Label „Futuresfuture“ Bitten By vor Kurzem unterzeichnet hat. Anfangs noch mehr als Rapper-Cluster angelegt öffnet sich das Label – gerade mit Syntpop-Acts wie Bitten By oder auch den neuen Schlagerkönigen Schönbrunner Gloriettenstürmer einem breiteren Publikum. Aber gerade die Rap-Wurzeln sind es, die Patricia so eine Freude bei der Zusammenarbeit bereiten. Und das, obwohl sie außer vogelähnliche Laute wie „skurr“ und „burrrp“ euphorisch wiederzugeben keine wirklichen Rap-Skills besitzt, wie sie erzählt.

„Familiär habe ich einen Balkan-Hintergrund, meine Mama ist aus Serbien. Und da ist die Familie einfach das Wichtigste, der Clan, der Zusammenhalt und das Gemeinsamsein. Aus der Indiepop/rock-Szene kenne ich das gar nicht so, da gibt sich jeder Feedback, es wird zwar gehated, aber nie schlimm gehated, man sitzt zusammen und tauscht sich aus. Es ist einfach wie eine zweite Familie für mich.“

Auch, wenn Patricia sich gerne die Meinung von KollegInnen einholt, ist es ihr gar nicht so wichtig, was andere von ihrer Musik denken. „Es ist eher ein Abchecken, wo man selbst steht.“ Den Vorteil, den sie als Solokünstlerin hat – keine Kompromisse mehr eingehen zu müssen – nutzt sie jetzt voll aus, und der wird verstärkt durch ihre musikalische Erfahrung. „Dass ich mit We Walk Walls schon einiges erlebt habe, hat mir sehr geholfen, jetzt das Soloprojekt aufzuziehen. Man kennt einfach schon bestimmte Abläufe, und die Nervosität bekämpft man so auch besser.“

Bitten By

L+B

Mit ihrer Debut-EP „Relations“ gönnt sich Patricia auch erstmalig den Luxus, nur über sich selbst zu schreiben. Inhaltlich geht es um Beziehungen, aber nicht nur um romantische, sondern auch um die zu bestimmten Orten, zu Freunden, zu Situationen. Um sich auf der Bühne nicht nackt zu fühlen, ist „Bitten By“ als Kunstfigur erdacht: „Auf der Bühne steht dann nicht Patricia, sondern Bitten By. Und die performt die Songs. Emotional habe ich dadurch einfach die notwendige Distanz.“

„Relations“ erscheint am 6. Oktober. Live das erste Mal in Wien ist Bitten By am Waves Vienna Festival zu sehen, das von 28. bis 30. September im WUK in Wien stattfindet.

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