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Buchcover "Commendatore I" und "Commendatore II"

Dumont Verlag

Diese Ermordung tut weh

„Die Ermordung des Commendatore“ ist der Titel des neuen Doppelromans von Huraki Murakami. Wirklich gelungen ist nur das Cover.

von Zita Bereuter

Einer der bekanntesten Japanischen Autoren ist Haruki Murakami. Mit Welterfolgen wie „Mister Aufziehvogel“, „Wilde Schafsjagd“ oder „Kafka Am Strand“ hat er sich eine Fangemeinde erschrieben und wird immer wieder als möglicher Literaturnobelpreisträger genannt.

Groß waren daher die Erwartungen an seinen jüngsten Doppelroman „Die Ermordung des Commendatore“. Teil 1 - „Eine Idee erscheint“ - überzeugte eher schlecht als recht. Teil 2 - „Eine Metapher wandelt sich“ - schafft nicht mal das.

„Eine Metapher wandelt sich“

Der namenlose Künstler Mitte 30, der von seiner Frau plötzlich verlassen wurde, lebt und arbeitet immer noch in den Bergen - in dem Haus eines alten, sehr bekannten Künstlers. Von diesem findet er ein geheimnisvolles Bild und fortan geschehen mysteriöse Dinge.

Nachdem er im ersten Teil seinen ebenso reichen wie merkwürdigen Nachbarn portraitiert hat, soll er im zweiten die ebenfalls in der Nachbarschaft lebende, 13jährige Marie malen. Dabei will er vor allem ihr Inneres abbilden.

Umso erstaunlicher, warum dann das Äußere so detailliert beschrieben wird.

„Er trug eine Wollweste mit einem feinen, eleganten Muster über einem weißen, durchgeknöpften Hemd und ein graues, ins Bläuliche spielendes Tweed-Jackett. Dazu blass senffarbene Chinos und braune Wildlederschuhe.“

oder

„Shoko trug eine lange dunkelgraue Jacke mit Fischgrätmuster und einen hellgrauen Wollrock, dazu gemusterte schwarze Strümpfe. Um ihren Hals war ein bunter Schal von Missoni geschlungen. Ein schickes, großstädtisches Outfit für einen Herbstabend. Marie sah in ihrer gewaltigen Baseballjacke, der Sweatjacke, den zerrissenen Jeans und den dunkelblauen Turnschuhen von Kompass in etwa aus wie beim letzten Mal.“

Ähnliche detaillverliebt werden Automarken und Fahrverhalten oder das Zubereiten seiner immer leichten Kleinigkeiten beschrieben. Bei jeder klassischen LP, die er auflegt, nennt er den Dirigenten und historische Tatsachen lesen sich wie Wikipedia-Einträge.

Buchcover "Commendatore I" und "Commendatore II"

Dumont Verlag

Das gelungenste an dem Roman ist das Cover. Haruki Murakami: „Die Ermordung des Commendatore“ Band I: „Eine Idee erscheint“, Band II: „Eine Metapher wandelt sich“ übersetzt von Ursula Gräfe ist bei Dumont erschienen.

Hinzu kommen pseudophilosophische Erläuterungen. Der Commendatore, ein rund 60 Zentimeter großer Geist, der plötzlich auftauchen kann, ist eine personifizierte Idee und erklärt sich immer wieder kompliziert und mühsam: „Eine Idee wird erst zur Idee, indem sie von anderen anerkannt wird und sich in einer Gestalt verkörpert. Diese ist natürlich nicht mehr als eine befristete Leihgabe …“

Keine Sorge, falls das jemand nicht versteht – es ist kaum verständlich.

Plumper aber wenig besser ist dann Heidegger for Dummies: „Denn es ist unmöglich, etwas nicht mehr zu denken, indem man beschließt, es nicht mehr zu denken. Zu denken, dass man aufhören will etwas zu denken, ist ja ein Gedanke, und solange man diesen Gedanken hat, denkt man an dieses Etwas. Um aufzuhören, an etwas zu denken, muss man aufhören, daran zu denken, dass man damit aufhören will.“

Noch schlimmer wird eine plötzlich auftauchende andere Figur. „Nein, ich bin keine Idee oder so was. Ich bin nur eine Metapher.“
Man hüte sich vor den Doppelmetaphern!

Busenfetisch

Besonders peinlich ist aber der Busenfetisch, der in diesem Buch vorkommt. Die größte Sorge des Mädchens ist, dass ihr Busen nicht groß genug werden könnte und auch der Maler muss immer wieder den Busen des Mädchens und den ihrer Tante kommentieren.

Selbst als das Mädchen in Todesangst eine Nacht in einem Versteck verbringt sind ihre Gedanken fixiert: „Natürlich musste jeder Mensch irgendwann einmal sterben, doch sollte dies sehr viel später geschehen. Sie wollte wenigsten einmal des Gefühl genießen, volle Brüste und richtige Brustwarzen zu haben.“

Ganz klar ist auch die Erzählperspektive nicht. Eigentlich erzählt der namenlose Künstler aus seiner Perspektive. Dennoch weiß er immer wieder, was sich das Mädchen denkt.

Tiefpunkt

Wenn der Künstler in die Unterwelt flüchtet und dort Gruseliges erlebt bzw. erleben soll, liest man: „Mittlerweile war mir die Fähigkeit, mich über irgendetwas zu wundern, größtenteils abhandengekommen.“ Dem kann man sich als Leserin nur anschließen.

Dazwischen platte Bilder wie „Luft, Liebe und Ideale sind wichtige Dinge, aber von ihnen allein kann man nicht leben“ oder „Die Schönheit der Natur existiert für Reiche und Arme gleichermaßen“ oder „Selbst hinter den dichtesten Wolken wartet immer ein Silberstreif.“

Damit man das auch sicher versteht, wiederholt Murakami manches mehrfach. Was dadurch aber auch nicht besser wird. Dazu kommen einige grammatikalische Fehler und eine sehr gestelzte Sprache, was aber möglicherweise an der Übersetzung liegt, die sehr schnell geschehen musste - das Buch ist auch in Japan erst erschienen.

Höhepunkt

Die guten Momente sind diejenigen, in denen Murakami gescheiterte Beziehungen beschreibt. Die einsamen traurigen Männer - das kann er. Einer der besten Sätze: „Die größte Überraschung im Leben eines Mannes ist das Alter.“ Und wenig später „Das Alter kam vielleicht sogar überraschender als der Tod.“

Dabei hätte die Konstellation dieser Künstler und deren Gedanken über Kunst und das Leben viel geboten. „Mein wichtigster Ansatzpunkt war, eine Geschichte zu entdecken, die es wert war, gemalt zu werden.“ meint der Künstler an einer Stelle. Diese Geschichte ist es nicht wert.

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