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Comic Monstress

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Düster, matriarchal und Kawaii

Die Comicserie „Monstress“ wurde in den letzten Jahren mit Preisen überhäuft. Sie vereint Fantasy, Steampunk und Lovecraft’schen Tentakelhorror

Von Conny Lee

Es herrscht Krieg zwischen den Arcanics - magische Tierwesen, die mal mehr, mal weniger aussehen wie Menschen - und den Cumaea - einem Hexenkult, der die Arcanics gerne verspeist, um von ihrer magischen Kraft zu zehren.

FM4 Dunkle Seiten
In den ersten zwei Jännerwochen widmen wir uns den „Dunklen Seiten“. Also Büchern, die düster, gruselig, schaurig, beängstigend oder verstörend sind.

Mi
ttendrin ist Maika Halfwolf, ein arkanisches Mädchen, von ihrer Abstammung her Wolf, sieht aber aus wie ein Mensch. Sie ist auf der Suche nach ihrer Geschichte und nach ihrer Identität. In ihr lebt nämlich ein Monster, das hie und da aus ihrem Körper dringt und aussieht wie viele schwarze Tentakel mit Augen. Ein mächtiges Monster mit großer Zerstörungswut und Hunger auf Menschenfleisch, und doch sind beide voneinander abhängig. Im Laufe der Geschichte lernt Maika über die Herkunft dieses Monsters, die mit ihrer eigenen Geschichte eng verknüpft ist.

Comic "Monstress"

Image Comics

Maika und ihr Monster

Das Comic „Monstress“ ist Fantasy mit einem Schuss Steampunk und es ist wunderschön gezeichnet. Wenn Klimt ein Goth gewesen wäre, dann wären vielleicht ähnliche Bilder entstanden: düsterer Jugendstil. Detailreiche Verzierungen schmücken die Maschinen, die Wesen sowie die Umgebung in den Zeichnungen von Sana Takeda. Blutrünstige Bilder von zerrissenen Gesichtern und abgetrennten Gliedmaßen stehen in diesem Comic Seite an Seite mit süßen Fuchswesen.

Comic "Monstress"

Image Comics

„Monstress“ von Autorin Marjorie Liu und gezeichnet von Sana Takeda, im englischen Original erschienen bei Image Comics.

Düsterer Jugendstil

Comic "Monstress"

Image Comics

Hochzeit zwischen zwei Kriegerinnen

Aber nicht nur optisch, sondern vor allem inhaltlich ist „Monstress“ herausragend. Die Handlungsstränge sind gekonnt miteinander verwoben und die Figuren sind vielschichtig und entwickeln sich im Verlauf der Geschichte. Niemand gehört eindeutig zu den Guten oder zu den Bösen. Alle haben ihre weichen Seiten und ihre Abgründe. Dafür wurde die Autorin Marjorie Liu 2018 als erste Frau mit dem Eisner Award - quasi dem Oscar der Comicwelt - in der Kategorie Best Writer ausgezeichnet.

Spannend ist in „Monstress“ besonders das matriarchale Setting. Alle Hauptcharaktere sind weiblich, die Anführerinnen, Kriegerinnen, die Königinnen und Mörderinnen. Und sexuelle Beziehungen in „Monstress“ sind fast ausschließlich lesbisch. Marjorie Liu schildert diese weiblich dominierte Welt mit beiläufiger Selbstverständlichkeit, so als würden wir gar nichts anderes kennen.

„Monstress“ ist eine fantastische Mischung von düster, explizit und kawaii. Das Comic ist spannend, schön anzusehen und zu Recht in den letzten Jahren mit allen großen Preisen der Comicwelt überhäuft worden. Gustav Klimt hätte es gefallen. H.P. Lovecraft vielleicht auch. Ich bin auf jeden Fall begeistert.

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