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CC BY-SA 3.0 von Henning Schacht https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peter_Ramsauer_-_Verkehrsminister.jpg

Meine Pläne als Sportminister

Parlamentarische Routine ist längst mehr Bürde als Kriterium für eine Express-Karriere als Minister. Kompetenzoriginelle Quereinsteiger aus der Mitte der Gesellschaft sind gefragter als graue Langzeit-Bonzen. In dieser kleinen Serie skizziere ich meine Vorhaben für verschiedene Ressorts, falls mir demnächst ein Ministerposten angeboten wird.

Von Marc Carnal

Die politischen Novizen Juliane Bogner-Strauß, Heinz Faßmann, Hartwig Löger und Margarete Schramböck haben sich noch unlängst ihre Sporen als Molekularbiologin, Universitätsprofessor, Vorstandsvorsitzender und Managerin verdient, bevor sie über Nacht in höchste politische Ämter gehievt wurden. Es ist also nicht völlig auszuschließen, dass auch mir diese Ehre eines Tages zuteil wird. Falls ich bald ein Ministerium leiten sollte, möchte ich bereits im Vorfeld die Bevölkerung über meine Reformpläne informieren, um sie nicht unvorbereitet mit meinen radikalen Plänen zu konfrontieren.

Als Sportminister werde ich zuerst zweierlei stellen: Erstens mir selbst die Frage, warum ausgerechnet ich als ungelenker Raucher zum Sportminister ernannt werde. Zweitens Extremsport unter Strafe.

Die meisten Aktivitäten, die als Extremsport bezeichnet werden, sind camouflierte Selbstmordversuche mit Hauptsponsor. Wer sich mit Fallschirm in enge Schluchten stürzt, im Wingsuit durch die Landschaft zischt oder an Flugzeug-Slalomrennen teilnimmt, ertüchtigt sich dabei zwar auch körperlich, begibt sich aber vor allem aus Adrenalinabhängigkeit in Lebensgefahr. Und gefährdet damit zusätzlich Amateure, die mit leuchtenden Augen youtube-Snowboarder bei halsbrecherischen Manövern in Lawinengebieten bewundern und sogleich zur ungeübten Nachahmung schreiten.

Allzu risikoreiche Sportarten werden unter meiner Regentschaft also ausnahmslos verboten. Diese Maßnahme wird nicht auf einhelligen Anklang stoßen, dürfte aber immer noch populärer sein als mein nächstes Vorhaben: Ich gedenke nämlich auch alpinen Wintersport generell zu verbieten.

Spätestens jetzt wird die Bevölkerung Amtsenthebungsgefühle entwickeln. Doch ich werde meine Wintersport-Aversionen nicht nur mit eiserner Hand in die Tat umsetzen, sondern auch begründen können:

Dass sich Menschen ein oder zwei Bretter an die Beine schnallen, um damit einen Berg hinabzugleiten, birgt für alle Beteiligten zweifelsohne mehr Nach- als Vorteile. Der unverhältnismäßige Aufwand, der für das Beschneien und Präparieren von Pisten sowie den Bau monströser Lifte vonnöten ist, beeinträchtigt die Umwelt und kostet viel Geld. Weil so viel Zaster in die Zweckentfremdung der Berge investiert werden muss, wird das “Vergnügen” auch für die Zielgruppe stetig teurer.

Skiers are seen in silhouette on a ski lift as the sun rises next the resort of Lenzerheide, eastern Switzerland

AFP PHOTO / Fabrice COFFRINI

Dass im internationalen Vergleich ein großer Anteil der hiesigen Bevölkerung Schifahren kann, ist kein Grund für Stolz. Angebracht wäre kollektive Scham. Der hierzulande reiche Bergbestand rechtfertigt noch lange nicht die massive persönliche und allgemeine Ressourcenvergeudung, die für eine kurze Abfahrt vonnöten ist. Und mal ehrlich, liebe Pistenfreaks: Ist der schönste Momente beim Schifahren nicht in Wahrheit jener, wenn man endlich seine wunden Füße aus den unbequemen Schischuhen schälen kann?

“Herr Sportminister Carnal, Sie zerstören mit Ihren drakonischen Maßnahmen einen gewichtigen Wirtschaftszweig!”, werden mir meine zahlreichen Kritiker vorwerfen.
Doch die Kritik wird zusehends verstummen. Nachdem sich Gämsen, Bären und Adler die verwildernden Schihänge zurückerobert haben, strömen die Touristen eben nach Österreich, um mit teuer vermieteten Fernrohren Gämsen, Bären und Adler zu beobachten. Zudem werden Ersatz-Sportarten wie Schlittschuhlauf, Bergwandern oder Kurzstrecken-Zipflbob ungebrochen angeboten.

“Und was ist mit den ganzen arbeitslosen Liftwarten, Hüttenwirten und Raupenfahrern?”
Die werden Jobs in jenen Unternehmen finden, die den Ex-Schifahrern künftig das viele Geld aus der Tasche ziehen, das sie sich durch meine Schisport-Abschaffung sparen!

“Und die Profisportler? Was ist mit dem Schiweltcup?”
Der ÖSV wird aufgelöst und schon nach wenigen Jahren wird niemand mehr diesen dubiosen Altherrenverein vermissen. Wer sich heute an Weltcuprennen vor Ort oder im Fernsehen erfreut, wird schon morgen Ersatz-Sportarten finden, für die er sich begeistern kann. Die meisten werden sich mit etwas Abstand sogar fragen, was sie jemals elektrisierend daran fanden, Dutzende Rennläufer dabei zu betrachten, auf deckungsgleiche Weise Fahnen zu umkurven. Und die viele freigewordene Sendezeit wird der ORF sinnvoll wiederzubefüllen wissen.

Das gilt auch für die Übertragungen der Formel 1. Neben den schändlichen Auswüchsen des Wintersports plane ich nämlich auch jeglichen Motorsport abzuschaffen. Auch in diesem Fall werden es mir Rennfahrer und “Motorsportfreunde” über kurz oder lang danken, dass ich sie von dieser affigen Zeitverschwendung befreit habe.

Zurecht wird jetzt die Frage laut, ob ich neben umstrittenen Verboten als Sportminister auch konstruktive Pläne habe.
Selbstverständlich!
Das Ernst-Happel-Stadion wird abgerissen, durch eine riesige, moderne Premium-Arena ersetzt und entweder nach mir oder Herbert Prohaska benannt.

Und irgendwelche Kampagnen wie „Fit am Arbeitsplatz“ oder „Turnen ist gesund“ überleg ich mir natürlich auch noch.

Soweit meine Pläne als Sportminister.

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